Tag 14 – Inzell, der Auftakt

Endlich geht’s richtig los. Morgens kurz einkaufen, dann ins Teamleadermeeting. Die mögliche Trainingszeit um 8:30 Uhr spare ich mir. Ich gehe um 13:15 Uhr nur zum Warmup auf das Eis. Alles klappt, wie gewünscht. Danach sitze ich mit Rene zusammen, der mir mitteilt, dass er nach dem Warmup mit Muskelproblemen aufhören muss und den Wettkampf beendet, bevor er begonnen hat. So schnell ist der Titelverteidiger und deutsche Meister raus.
Zunächst aber sind die Frauen und älteren Herren an der Reihe, bevor die AK55-60 laufen darf. 5oo m gegen einen Österreicher auf der Außenbahn. Ich gewinne den Start und komme gut durch die erste Kurve. Mein Mitstreiter schafft es dank des Kurvenvorteils sich vor mich zu schieben. Ich komme endlich mal gut in den Windschatten. Auch die zweit Kurve passt, ich gehe in Führung und stürme mit Saisonbestzeit ins Ziel, 0:48,03. Naja, knapp an der erhofften 47 vorbei, aber der Blick in die Ergebnislisten liefert die Überraschung, Rang 14! Aber der will Morgen erst mal gegen die Langstreckenspezialisten verteidigt werden.

Tag 13 – Langsam geht’s los

Die Sannung steigt. Am Morgen die offizielle Anmeldung mit einem kleinen Geschenk (heimisches Salz und süßer Senf). Dann noch eine kleine Wanderung um den Falkenstein vorbei an Falken- und Krottensee durch den frisch verschneiten Winterwald. Anschließend das erste offizielle Training. Das Eis war entsprechend gut gefüllt. Neugierig auf meinen frisch geschliffenen Bogen ging ich auf das Eis. Schon beim ersten Antritt spüre ich den Unterschied. Auf der Geraden plötzlich viel mehr Druck und keine Probleme oder Umstellung in der Kurve. In einer kleinen Lücke der zahlreichen Sportler mache ich einen Probestart, sogar hier bekomme ich mehr Druck. Super, das Rennen kann kommen!
Anschließend schnell Mittagessen, duschen, nochmal schnell über die Kufen polieren und das übliche Paar „Fremdschlittschuhe“ schleifen. Dann ging es am Abend schon zum Welcome-Drink. Bei Bier und leckerem Essen konnte man es sich gut gehen lassen. Schade dass Morgen noch ein Wettkampf ansteht, sonst wäre es von mir aus ein sehr langer Abend geworden.
Die Statistik der Veranstaltung ist schon beeindruckend: 220 Teilnehmer aus 20 Nationen! Deutlich mehr als beim Weltcup letztes Wochenende. Soviele Teilnehmer waren es, meines Wissens nach, noch nie bei den Master-Games. Ich habe mal wieder die größte Startergruppe erwischt: 25 Sportler aus neun Ländern. Und es ist alles dabei, was wirklich schnell ist. Meine Erwartungen reduzieren sich damit eher auf das olympische Motto: Dabei sein ist alles! Mehr als maximal unter die Top-20 zu kommen wird wohl nicht drin sein, aber ich hoffe zumindest auf gute Zeiten für mich.

Tag 12 – Pause und eine hässliche Überraschung

Auch diesen Tag konnte ich wieder in aller Ruhe beginnen. Den Vormittag nutzte ich für einen Ausflug zum Tanken nach Österreich und einen Besuch des Outlets in Piding.
Um 14:00 Uhr hatte ich einen Termin zur Kontrolle des Bogens* meiner Kufen. Da ich sie erst vor zwei Jahren angeschafft hatte, erwartete ich eigentlich nur die Bestätigung, dass alles in Ordnung ist, zumal ich nur selten richtig schleifen musste. Außerdem fühle ich mich auf den Kufen wohl und komme gut damit klar. Aber Gefühle können täuschen und Messwerte lügen nicht! Der Bogen war streckenweise flach. Also neu schleifen! Nach dem Bogenschleifen musste ich die Kufen wieder glätten, also schleifen und polieren! Eigentlich sollte ich gleich heute Abend testen, aber ich blieb konsquent bei meiner Pause im Vertrauen darauf, dass ich mit frischen Bögen immer auf Anhieb gut zurecht gekommen bin. Ich bin gespannt auf mein morgiges Training.
*Der Bogen einer Kufe: Entgegen dem äußerem Anschein ist eine Eisschnellaufkufe nicht plan, sondern sie hat einen minimalen Bogen, wie man es z.B. auch von Eishockeykufen kennt. Diese Bögen müssen in die Kufen hineingeschliffen werden. Die Bögen liegen in der Regel im Bereich eines Radius von 21 – 24 Metern. Die größeren Radien sind eher für Langstreckler, kleinere für Sprinter. Shorttracker nutzen 16 – 18 m Bögen. Ohne einen Bogen ließen sich die Kufen nicht steuern.

Tag 11 – Urlaub, aber auch Pflichten

Endlich mal nicht kurz vor 6:00 Uhr aufstehen! In aller Ruhe beginne ich den Morgen mit der Brötchenwanderung und dem Frühstück. Am Vormittag noch ein Spaziergang zum Einkaufen. Kurz mal die Kufen polieren und um 12:45 Uhr geht es zum Eis, was rappelvoll ist. Auf Grund des Betriebs macht das Training nicht wirklich Spaß und nach einer Stunde ist das Eis auf der Innenbahn kaputt und fühlt sich wie an einem Sonntagmorgen in Enschede. Dass ich früher vom Eis muss, ist daher nicht schlimm. Denn um 15:00 Uhr beginnt die Sitzung des IMSSC, der internationalen Vereinigung des eischnelllaufenden Masters. Erfreulicherweise zieht sich das Meeting nicht so lange hin, so dass zeitig heimkomme.

Tag 10 – wieder in Inzell

Mein letzter Arbeitstag. Es fällt schwer nach einer kurzen Nacht, in der ich kaum Schlaf gefunden hatte, sich aus dem Bett zu quälen. Die kalte Luft beim morgendliche Spaziergang zum Brötchenholen machte den Kopf wieder klar. Am Mittag legte ich eine Pause für das Training ein. Wir wollten die ruhigere Mittagszeit nutzen. Oh, welch eine Wohltat wieder auf dem Inzeller Eis zu sein. Vor zwei Tagen wurde hier noch über 5000 m ein Weltrekord gelaufen. Trotz des anstrengenden Vortags läuft das Training super. Anschließend geht es wieder zurück zur Arbeit.

Tag 9 – Innsbruck 2

Zum letzten Mal starteten wir zeitig nach Innsbruck. Schnell auf dem Weg tanken und ab zur Olympiaworld. Warum trainieren denn hier schon alle? Die Orga hatte auf Grund des drohenden Wetters den Zeitplan 30 Minuten nach vorn gezogen. Ab auf’s Eis und noch schnell ein paar Minuten Eisgewöhnung. Dann wieder runter, ein wenig Warmup und rasch umziehen, denn schon im vierten Lauf war ich an der Reihe. Ob es der sparsamen Erwärmung oder dem harten Eis geschuldet war, den Start verstolpere ich. Aber in den Kurven finde ich endlich den langvermissten Druck und kann gut beschleunigen, so dass ich im Ziel vorn bin und mich sogar mit 0:48,82 deutlich steigern konnte.
Vor dem letzten Lauf war es bereits so gut wie sicher, ich würde Rang 15 belegen, sofern nicht ungewöhnliches passiert. Mein niederländischer Gegner Verpasst den Start und ich führe auf der ersten Wechselgeraden, so dass ich mal wieder keinen Windschatten bekomme. Auch die nächste Kurve passte gut, letzter Wechsel nach außen, die Beine wollen platzen. In der Kurve höre ich das Kratzen der Kufen meines Gegners wieder herankommen. Nochmal alles geben und treten, ich rette den Vorsprung ins Ziel. Noch größer wird die Freude beim Blick auf die Anzeigentafel: 1:38,47! Das ist neue Saisonbestzeit! Hoch zufrieden beende ich damit den Wettkampf auf Rang 15.
Dann etwas auslaufen, heiß duschen und Mittagspause. Währenddessen beginnt es zu schneien. Dick eingepackt gehe ich zur Wechselgeraden und versuche meinen Freunden bei den schwierigen Bedingungen so gut wie möglich zu helfen. Im Schneegestöber gehen die Rennen zu Ende.
Jetzt ist wieder Pause angesagt, die wir nutzen um die Reste des Buffets zu plündern. Der restliche Nachmittag geht mit vielen Gesprächen rasch vorbei, bis wir uns am Abend zu Fuß auf den Weg zum Abschlussankett machen. Ohne Zweifel dieser Tiroler-Abend geht in die Analen des IMSSC ein. Das Menü war ebenso landestypisch (Kürbissuppe, Schweinebraten mit Sauerkraut und warmer Apfelstrudel) wir das Unterhaltungsprogramm, das alle Klischees perfekt bediente: Blasmusi, Schuhplattern, Tanz, Jodeln und Alphörner. Es war alles dabei. Ich gebe ja zu, dass diese Art von Unterhaltung eigentlich nicht so mein Geschmack ist, aber das war wirklich saugut gemacht.
Bis zum Ende des Abends blieben wir nicht. Durch den Schnee stapften wir zum Auto, das wir erstmal unter 20 cm Neuschnee ausbuddeln mussten. Die Österreicher wissen mit Schnee umzugehen, die Autobahn war einigermaßen frei und etwas langsamer machten wir uns auf den Weg. Kurz nach Mitternacht erreichten wir endlich Inzell. Ich war ziemlich geschafft, vor allem von der Fahrerei durch den Schnee am Ende des langen Tages.

Tag 8 – Innsbruck 1

Nach dem Aufwachen sorgte der Blick auf die Wettermeldungen für die erste Schrecksekunde: Eisregen auf der Strecke. Mein erster Gedanke, lieber über die Autobahn auszuweichen, erledigte sich als Reinhold einstieg als das Navi den ersten Autobahnstau meldete. Also wieder über die Landstraßen. Zum Glück war der Regen nicht schlimm und die Straßen gut gesalzen. Pünktlich kamen wir an die Olympiaworld.
Das Losglück hatte mir heute zweimal die Innenbahn beschert. Mein erster Gegner aus Norwegen war sturzbedingt keine große Hilfe im Rennen. Die 0:49,10 waren im Bereich des Erwarteten, eine halbe Sekunde über meiner Saisonbestzeit in der Halle und bedeuteten Platz 14. Gut eine Stunde später standen bereits die 1000 m auf dem Programm. Mein niederländischer Gegner hielt nicht mit und anstatt mir bei dem zweiten Wechsel ein wenig Windschatten zu geben, musste er mir Vorfahrt gewähren und durfte zum zweiten Mal meinen Windschatten genießen. 1:39,33 waren analog den 500 m wieder knapp über der Saisonbestzeit und reichten dieses Mal zum 15. Rang, den ich auch in der Gesamtwertung belege.
Nach meinen Rennen hatte ich frei und nutzte die Zeit mich unter der heißen Dusche gründlich aufzuwärmen. Danach gab es ein wohlverdientes Mittagessen. Den Nachmittag machte ich mich als Trainer nützlich. Nach Reinholds Rennen ging es auf den Heimweg nach Inzell.

Tag 7 – Innsbruck Warmup

Heue geht es endlich los. Morgens früh um 7:15 Uhr starten Reinhold und ich in Richtung Innsbruck. Pünktlich erreichen wir die Olympiaworld (hier wurden die olympischen Spiele 1964 und 1976 ausgetragen). Die Formalitäten sind rasch erledigt, als geht es ab auf das Eis. Nachdem ich die gesamte Saison mit Ausnahme zweier heimischer Natureistrainings ausschießlich in Hallen unterwegs war, war die Innsbrucker Außenbahn doch etwas gewöhnungsbedürftig. Das Eis steinhart, mit leichtem Raureif überzogen und die dicken Klamotten wegen der 0°C Außentemperatur gaben einem das Gefühl in Sirup unterwegs zu sein. Nach einer Eispflege war der Raureif zwar weg und der Sonnenschein ließ eine Zwiebellage warmer Sachen ablegen. Langsam kam ich dem Ziel „eisschnell-zu-laufen“ näher. Nach dem Training folgte die offizielle Begrüßung und der Welcome-Drink. Damit der Drink nicht so alleine bleibt, gab es noch eine Suppe und Lasagne dazu. Gut gesättigt starteten wir auf den Heimweg.

Platz 15 bei der Sprint-WM

Thomas Rumpf erreichte bei den stark besetzten Masters Sprint Games in Innsbruck den 15. Rang und wurde damit bester deutscher Teilnehmer. Ihm gelang es sich kontinuierlich über die vier Läufe zu steigern und er beendete den Wettkampf sogar mit einer Saisonbestzeit über die abschließenden 1000 m. Ausführlicher findet es sich hier.

Tag 5 – Ruhe

Heute ist Ruhe angesagt, obwohl die Sonne und die Loipen locken. Mittags ein schneller Spaziergang durch die Sonne zum Banthai, zuück noch Schneller, damit das Essen nicht kalt wird. Am Nachmittag zieht es mich doch noch nach draußen. Ein kurzer Besuch an der Eishalle, wo gerade riesige Trucks der Fernsehteams vorfuhren. Anschließend eine kurze Wanderung zum Krottensee. Erwartungsgemäß trägt dort das Eis, aber es waren nur kleine Hockeyfelder vom Schnee befreit worden, sodass sich ein Ausflug mit den Rennkufen erübrigt.

Tag 4 – wie gestern…

Der Dienstag unterschied sich kaum vom Montag. Morgens die kleine Brötchenwanderung zum Bäcker, dann arbeiten und abens wieder ab auf das Eis. Der vierte Tag in Folge auf dem Eis macht sich langsam in den Beinen bemerkbar. Die morgige Pause ist langsam mal nötig.

Tag 3 – Inzell, Arbeit und Training

Etwas enttäuschend begann der Morgen. Die Bäckerei hat den morgendlichen Brötchenverkauf unten im Flur eingestellt. Anstatt mal schnell über den Flur zum Bäcker zu huschen, heißt es ab sofort Frühsport und eine kurze Wanderung durch die Kälte zum Bäcker durch den Kurpark.
Der strahlende Sonnenschein lockt einen mit aller Gewalt nach draußen, aber leider geht im Moment die Pflicht vor und ich muss arbeiten. Training ist wegen des Weltcups am kommenden Wochenende für uns „Sterbliche“ leider nur einmal am Abend möglich. Daher müssen die Ski noch ein wenig auf ihre Bewegung warten.
Abends ging es endlich in die Eishalle. Es war erstaunlich voll, dafür dass Weltcupwoche ist. Auch einige Weltcup-Teilnehmer übten noch ein wenig. Aber es war wieder der typosche Inzell-Effekt: Nach einer halben Stunde läuft alles einfach wie von selbst.

Tag 2 – Training Erfurt

Heute hieß es früh austehen. Schnell frühstücken, mein „Notquartier“ räumen und um 7:45 Uhr war ich in der Halle. Ein kurzes Warmup und das Training konnte beginnen. Immer wieder versuche ich meine Kurventechnik zu verbessern, am Ende noch ein paar Starts. Dann kamen die freundlichen Worte: „Wenn Du willst, kannst Du bei uns nach der Eispflege noch mittrainieren.“ Kurzentschlossen änderte ich meine Pläne für den restlichen Tag. Der geplante Skilanglauf in Inzell am Nachmittag musste sich diesem Angebot unterordnen. Ich berichte dem Trainer von meinem Kurverproblem und er gab mir technische Aufgaben. Am Ende wurde es über eine halbe Stunde intensives Techniktraining. Ob die Kurven nun endlich besser werden? Mal abwarten!
Anschließend schnell noch unter die Dusche und die Fahrt konnte beginnen. Im Thüringerwald riss der Hochnebel auf und der strahlende Sonnenschein lockte mich auf einen einsamen Autobahnrastplatz zu einer längeren Mittagspause im Freien. Die restlichen Kilometer zogen sich relativ entspannt hin, denn die Staus waren immer nur auf der Gegenseite. Um 17:00 Uhr hatte ich mein Quartier bezogen. An der Rezeption wurde mitgeteilt, dass ich Glück und damit nachts Ruhe hätte, weil ich mit der amerikanischen Mannschaft auf einem Flur wohnen würde. Cool, der größte Medaillenfavorit für Olympia wohnt ab Morgen nur ein paar Türen weiter. Wenn sich doch nur etwas von seinem Tempo auf mich abfärben würde.

Tag 1 – Rennen Erfurt

Die frühmorgendliche Fahrt war unerwartet extrem anstrengend, da hinter dem Harz dichter Nebel das zügige Vorankommen massiv erschwerte. Etwas später als geplant kam ich in die Erfurter Halle, konnte gerade aber noch eine halbe Stunde Eisgewöhnung machen. Bei den Rennen machte sich die ausklingende Erkältung noch deutlich bemerkbar. Auch fehlte das geplante Training des letErfreulich war die Saisonbestzeit für den 500 m Start in 12,83 s. Allerdings verstolperte ich in meiner Euphorie sofort danach die Kurve, so dass es mit der eröfften guten Zeit nichts wurde. Über 1500 m liefen die ersten 700 m richtig gut, aber dann war die Luft weg und die letzten zwei Runden waren Quälerei. Trotzdem reichte es zur zweitbesten Zeit in dieser Saison.
Da mein übliches Quartier virenversucht war, hatte ich mich logistisch bereits auf eine Nacht im Auto eingestellt. Aber dank Tjards netten Angebot eines frein Sofas blieben mit die -1°C erspart.

Tag 0

Der übliche Stress vor zwei Wochen Tour. Alles zusammen kramen, waschen um zwei schöne Wochen in Inzell zu haben. Für das letzte Testrennen morgen in Erfurt ist bereits gemeldet.
Insgesamt stehen drei Rennen mit zehn Strecken über in Summe 15.000 Meter auf dem Plan. Erfurt als letzter Test, Innsbruck mit der Sprint-WM und abschließend Inzell mit der Allround-WM.