Tag 17 – und Pfürti!

Abschied von Inzell. Ein letztes Training auf einem unwartet vollem Eis. Dann noch eine kurze Runde auf der Loipe. Das Auto laden und ab auf die Strecke. Gegen 20:30 Uhr bin ich wieder in Celle. Eine Erkältung macht sich bemerkbar. Jetzt ist erstmal Pause angesagt.

Tag 16 – Der letzte Lauf

Die Auswertungen meiner Pulsuhr ließen nichts geutes erwarten. Ich bin platt! Aber die letzte Strecke, 5000 m, eigentlich meine liebste Distanz, will noch gelaufen weden. Nach einem ordentlichen Start werden die Runden immer zäher. Am Ende reicht es gerade noch für eine Saisonbestzeit. Meinen 17. Platz behalte ich, in Normalform wäre ich sicher noch etwas nach vorn gerutscht. Am Abend folgt das traditionelle Anbschlussbankett. Hier haben sich die Gastgeber nicht lumpen lassen. Feines Essen, leckeres Bier und gute Musik sorgten für einen schönen Abschluss.

Tag 15 – Harte Arbeit

Heute war der härteste Tag der ganzen Tour. Schon früh musste ich in die Eishalle, Warmup um 8:45 Uhr. Schon kurz nach 10 Uhr war ich mit den 3000 m dran. Das Rennen geht gut los, von meinem Gegner sehe ich leider den ganzen Lauf über nichts, auch keinen Windschatten. Das Eis läuft und ich lege super los. 36,9, dann auf 39,5 und 39,9, so hätte es weitergehen können, aber plötzlich war die Luft weg und ich kämpfte die letzten Runden nur noch ums Überleben. Trotzdem wieder eine satte Saisonbestzeit mit 5:07,84. Trotzdem rutsche ich auf Platz 16 ab. Tja, die skandinavischen Langstreckenspezialisten schlagen zurück.
Am Nachmittag geht es weiter. Die 1500 m nach den langen 3000 m zu laufen ist immer sehr unangenehm. Ich lege los, Start und erste Runde klappen so gut wie den ganzen Winter noch nicht und dann platzen einfach die Beine. Nichts geht mehr, ich denke in der letzten Kurve, dass ich einen Krampf bekomme. Ich quäle mich ins Ziel, aber dennoch wieder mit Saisonbestzeit. Insgesamt bin ich auf Rang 17 zurück gefallen. Den will ich aber behalten! Abends ging es noch mit einem großen Teil des deutschen Team Essen. Da breche ich zeitig auf, ich brauche Ruhe und meine Beine das Bett. Die Auswertung der Pulsfrequenzen verheißen nichts Gutes. Irgendwie regenerieren und Morgen noch saubere 5000 m auf das Eis bringen.

Tag 14 – Inzell, der Auftakt

Endlich geht’s richtig los. Morgens kurz einkaufen, dann ins Teamleadermeeting. Die mögliche Trainingszeit um 8:30 Uhr spare ich mir. Ich gehe um 13:15 Uhr nur zum Warmup auf das Eis. Alles klappt, wie gewünscht. Danach sitze ich mit Rene zusammen, der mir mitteilt, dass er nach dem Warmup mit Muskelproblemen aufhören muss und den Wettkampf beendet, bevor er begonnen hat. So schnell ist der Titelverteidiger und deutsche Meister raus.
Zunächst aber sind die Frauen und älteren Herren an der Reihe, bevor die AK55-60 laufen darf. 5oo m gegen einen Österreicher auf der Außenbahn. Ich gewinne den Start und komme gut durch die erste Kurve. Mein Mitstreiter schafft es dank des Kurvenvorteils sich vor mich zu schieben. Ich komme endlich mal gut in den Windschatten. Auch die zweit Kurve passt, ich gehe in Führung und stürme mit Saisonbestzeit ins Ziel, 0:48,03. Naja, knapp an der erhofften 47 vorbei, aber der Blick in die Ergebnislisten liefert die Überraschung, Rang 14! Aber der will Morgen erst mal gegen die Langstreckenspezialisten verteidigt werden.

Tag 13 – Langsam geht’s los

Die Sannung steigt. Am Morgen die offizielle Anmeldung mit einem kleinen Geschenk (heimisches Salz und süßer Senf). Dann noch eine kleine Wanderung um den Falkenstein vorbei an Falken- und Krottensee durch den frisch verschneiten Winterwald. Anschließend das erste offizielle Training. Das Eis war entsprechend gut gefüllt. Neugierig auf meinen frisch geschliffenen Bogen ging ich auf das Eis. Schon beim ersten Antritt spüre ich den Unterschied. Auf der Geraden plötzlich viel mehr Druck und keine Probleme oder Umstellung in der Kurve. In einer kleinen Lücke der zahlreichen Sportler mache ich einen Probestart, sogar hier bekomme ich mehr Druck. Super, das Rennen kann kommen!
Anschließend schnell Mittagessen, duschen, nochmal schnell über die Kufen polieren und das übliche Paar „Fremdschlittschuhe“ schleifen. Dann ging es am Abend schon zum Welcome-Drink. Bei Bier und leckerem Essen konnte man es sich gut gehen lassen. Schade dass Morgen noch ein Wettkampf ansteht, sonst wäre es von mir aus ein sehr langer Abend geworden.
Die Statistik der Veranstaltung ist schon beeindruckend: 220 Teilnehmer aus 20 Nationen! Deutlich mehr als beim Weltcup letztes Wochenende. Soviele Teilnehmer waren es, meines Wissens nach, noch nie bei den Master-Games. Ich habe mal wieder die größte Startergruppe erwischt: 25 Sportler aus neun Ländern. Und es ist alles dabei, was wirklich schnell ist. Meine Erwartungen reduzieren sich damit eher auf das olympische Motto: Dabei sein ist alles! Mehr als maximal unter die Top-20 zu kommen wird wohl nicht drin sein, aber ich hoffe zumindest auf gute Zeiten für mich.

Tag 12 – Pause und eine hässliche Überraschung

Auch diesen Tag konnte ich wieder in aller Ruhe beginnen. Den Vormittag nutzte ich für einen Ausflug zum Tanken nach Österreich und einen Besuch des Outlets in Piding.
Um 14:00 Uhr hatte ich einen Termin zur Kontrolle des Bogens* meiner Kufen. Da ich sie erst vor zwei Jahren angeschafft hatte, erwartete ich eigentlich nur die Bestätigung, dass alles in Ordnung ist, zumal ich nur selten richtig schleifen musste. Außerdem fühle ich mich auf den Kufen wohl und komme gut damit klar. Aber Gefühle können täuschen und Messwerte lügen nicht! Der Bogen war streckenweise flach. Also neu schleifen! Nach dem Bogenschleifen musste ich die Kufen wieder glätten, also schleifen und polieren! Eigentlich sollte ich gleich heute Abend testen, aber ich blieb konsquent bei meiner Pause im Vertrauen darauf, dass ich mit frischen Bögen immer auf Anhieb gut zurecht gekommen bin. Ich bin gespannt auf mein morgiges Training.
*Der Bogen einer Kufe: Entgegen dem äußerem Anschein ist eine Eisschnellaufkufe nicht plan, sondern sie hat einen minimalen Bogen, wie man es z.B. auch von Eishockeykufen kennt. Diese Bögen müssen in die Kufen hineingeschliffen werden. Die Bögen liegen in der Regel im Bereich eines Radius von 21 – 24 Metern. Die größeren Radien sind eher für Langstreckler, kleinere für Sprinter. Shorttracker nutzen 16 – 18 m Bögen. Ohne einen Bogen ließen sich die Kufen nicht steuern.

Tag 11 – Urlaub, aber auch Pflichten

Endlich mal nicht kurz vor 6:00 Uhr aufstehen! In aller Ruhe beginne ich den Morgen mit der Brötchenwanderung und dem Frühstück. Am Vormittag noch ein Spaziergang zum Einkaufen. Kurz mal die Kufen polieren und um 12:45 Uhr geht es zum Eis, was rappelvoll ist. Auf Grund des Betriebs macht das Training nicht wirklich Spaß und nach einer Stunde ist das Eis auf der Innenbahn kaputt und fühlt sich wie an einem Sonntagmorgen in Enschede. Dass ich früher vom Eis muss, ist daher nicht schlimm. Denn um 15:00 Uhr beginnt die Sitzung des IMSSC, der internationalen Vereinigung des eischnelllaufenden Masters. Erfreulicherweise zieht sich das Meeting nicht so lange hin, so dass zeitig heimkomme.

Tag 10 – wieder in Inzell

Mein letzter Arbeitstag. Es fällt schwer nach einer kurzen Nacht, in der ich kaum Schlaf gefunden hatte, sich aus dem Bett zu quälen. Die kalte Luft beim morgendliche Spaziergang zum Brötchenholen machte den Kopf wieder klar. Am Mittag legte ich eine Pause für das Training ein. Wir wollten die ruhigere Mittagszeit nutzen. Oh, welch eine Wohltat wieder auf dem Inzeller Eis zu sein. Vor zwei Tagen wurde hier noch über 5000 m ein Weltrekord gelaufen. Trotz des anstrengenden Vortags läuft das Training super. Anschließend geht es wieder zurück zur Arbeit.

Tag 9 – Innsbruck 2

Zum letzten Mal starteten wir zeitig nach Innsbruck. Schnell auf dem Weg tanken und ab zur Olympiaworld. Warum trainieren denn hier schon alle? Die Orga hatte auf Grund des drohenden Wetters den Zeitplan 30 Minuten nach vorn gezogen. Ab auf’s Eis und noch schnell ein paar Minuten Eisgewöhnung. Dann wieder runter, ein wenig Warmup und rasch umziehen, denn schon im vierten Lauf war ich an der Reihe. Ob es der sparsamen Erwärmung oder dem harten Eis geschuldet war, den Start verstolpere ich. Aber in den Kurven finde ich endlich den langvermissten Druck und kann gut beschleunigen, so dass ich im Ziel vorn bin und mich sogar mit 0:48,82 deutlich steigern konnte.
Vor dem letzten Lauf war es bereits so gut wie sicher, ich würde Rang 15 belegen, sofern nicht ungewöhnliches passiert. Mein niederländischer Gegner Verpasst den Start und ich führe auf der ersten Wechselgeraden, so dass ich mal wieder keinen Windschatten bekomme. Auch die nächste Kurve passte gut, letzter Wechsel nach außen, die Beine wollen platzen. In der Kurve höre ich das Kratzen der Kufen meines Gegners wieder herankommen. Nochmal alles geben und treten, ich rette den Vorsprung ins Ziel. Noch größer wird die Freude beim Blick auf die Anzeigentafel: 1:38,47! Das ist neue Saisonbestzeit! Hoch zufrieden beende ich damit den Wettkampf auf Rang 15.
Dann etwas auslaufen, heiß duschen und Mittagspause. Währenddessen beginnt es zu schneien. Dick eingepackt gehe ich zur Wechselgeraden und versuche meinen Freunden bei den schwierigen Bedingungen so gut wie möglich zu helfen. Im Schneegestöber gehen die Rennen zu Ende.
Jetzt ist wieder Pause angesagt, die wir nutzen um die Reste des Buffets zu plündern. Der restliche Nachmittag geht mit vielen Gesprächen rasch vorbei, bis wir uns am Abend zu Fuß auf den Weg zum Abschlussankett machen. Ohne Zweifel dieser Tiroler-Abend geht in die Analen des IMSSC ein. Das Menü war ebenso landestypisch (Kürbissuppe, Schweinebraten mit Sauerkraut und warmer Apfelstrudel) wir das Unterhaltungsprogramm, das alle Klischees perfekt bediente: Blasmusi, Schuhplattern, Tanz, Jodeln und Alphörner. Es war alles dabei. Ich gebe ja zu, dass diese Art von Unterhaltung eigentlich nicht so mein Geschmack ist, aber das war wirklich saugut gemacht.
Bis zum Ende des Abends blieben wir nicht. Durch den Schnee stapften wir zum Auto, das wir erstmal unter 20 cm Neuschnee ausbuddeln mussten. Die Österreicher wissen mit Schnee umzugehen, die Autobahn war einigermaßen frei und etwas langsamer machten wir uns auf den Weg. Kurz nach Mitternacht erreichten wir endlich Inzell. Ich war ziemlich geschafft, vor allem von der Fahrerei durch den Schnee am Ende des langen Tages.

Tag 8 – Innsbruck 1

Nach dem Aufwachen sorgte der Blick auf die Wettermeldungen für die erste Schrecksekunde: Eisregen auf der Strecke. Mein erster Gedanke, lieber über die Autobahn auszuweichen, erledigte sich als Reinhold einstieg als das Navi den ersten Autobahnstau meldete. Also wieder über die Landstraßen. Zum Glück war der Regen nicht schlimm und die Straßen gut gesalzen. Pünktlich kamen wir an die Olympiaworld.
Das Losglück hatte mir heute zweimal die Innenbahn beschert. Mein erster Gegner aus Norwegen war sturzbedingt keine große Hilfe im Rennen. Die 0:49,10 waren im Bereich des Erwarteten, eine halbe Sekunde über meiner Saisonbestzeit in der Halle und bedeuteten Platz 14. Gut eine Stunde später standen bereits die 1000 m auf dem Programm. Mein niederländischer Gegner hielt nicht mit und anstatt mir bei dem zweiten Wechsel ein wenig Windschatten zu geben, musste er mir Vorfahrt gewähren und durfte zum zweiten Mal meinen Windschatten genießen. 1:39,33 waren analog den 500 m wieder knapp über der Saisonbestzeit und reichten dieses Mal zum 15. Rang, den ich auch in der Gesamtwertung belege.
Nach meinen Rennen hatte ich frei und nutzte die Zeit mich unter der heißen Dusche gründlich aufzuwärmen. Danach gab es ein wohlverdientes Mittagessen. Den Nachmittag machte ich mich als Trainer nützlich. Nach Reinholds Rennen ging es auf den Heimweg nach Inzell.

Tag 7 – Innsbruck Warmup

Heue geht es endlich los. Morgens früh um 7:15 Uhr starten Reinhold und ich in Richtung Innsbruck. Pünktlich erreichen wir die Olympiaworld (hier wurden die olympischen Spiele 1964 und 1976 ausgetragen). Die Formalitäten sind rasch erledigt, als geht es ab auf das Eis. Nachdem ich die gesamte Saison mit Ausnahme zweier heimischer Natureistrainings ausschießlich in Hallen unterwegs war, war die Innsbrucker Außenbahn doch etwas gewöhnungsbedürftig. Das Eis steinhart, mit leichtem Raureif überzogen und die dicken Klamotten wegen der 0°C Außentemperatur gaben einem das Gefühl in Sirup unterwegs zu sein. Nach einer Eispflege war der Raureif zwar weg und der Sonnenschein ließ eine Zwiebellage warmer Sachen ablegen. Langsam kam ich dem Ziel „eisschnell-zu-laufen“ näher. Nach dem Training folgte die offizielle Begrüßung und der Welcome-Drink. Damit der Drink nicht so alleine bleibt, gab es noch eine Suppe und Lasagne dazu. Gut gesättigt starteten wir auf den Heimweg.

Tag 5 – Ruhe

Heute ist Ruhe angesagt, obwohl die Sonne und die Loipen locken. Mittags ein schneller Spaziergang durch die Sonne zum Banthai, zuück noch Schneller, damit das Essen nicht kalt wird. Am Nachmittag zieht es mich doch noch nach draußen. Ein kurzer Besuch an der Eishalle, wo gerade riesige Trucks der Fernsehteams vorfuhren. Anschließend eine kurze Wanderung zum Krottensee. Erwartungsgemäß trägt dort das Eis, aber es waren nur kleine Hockeyfelder vom Schnee befreit worden, sodass sich ein Ausflug mit den Rennkufen erübrigt.

Tag 4 – wie gestern…

Der Dienstag unterschied sich kaum vom Montag. Morgens die kleine Brötchenwanderung zum Bäcker, dann arbeiten und abens wieder ab auf das Eis. Der vierte Tag in Folge auf dem Eis macht sich langsam in den Beinen bemerkbar. Die morgige Pause ist langsam mal nötig.

Tag 3 – Inzell, Arbeit und Training

Etwas enttäuschend begann der Morgen. Die Bäckerei hat den morgendlichen Brötchenverkauf unten im Flur eingestellt. Anstatt mal schnell über den Flur zum Bäcker zu huschen, heißt es ab sofort Frühsport und eine kurze Wanderung durch die Kälte zum Bäcker durch den Kurpark.
Der strahlende Sonnenschein lockt einen mit aller Gewalt nach draußen, aber leider geht im Moment die Pflicht vor und ich muss arbeiten. Training ist wegen des Weltcups am kommenden Wochenende für uns „Sterbliche“ leider nur einmal am Abend möglich. Daher müssen die Ski noch ein wenig auf ihre Bewegung warten.
Abends ging es endlich in die Eishalle. Es war erstaunlich voll, dafür dass Weltcupwoche ist. Auch einige Weltcup-Teilnehmer übten noch ein wenig. Aber es war wieder der typosche Inzell-Effekt: Nach einer halben Stunde läuft alles einfach wie von selbst.

Tag 2 – Training Erfurt

Heute hieß es früh austehen. Schnell frühstücken, mein „Notquartier“ räumen und um 7:45 Uhr war ich in der Halle. Ein kurzes Warmup und das Training konnte beginnen. Immer wieder versuche ich meine Kurventechnik zu verbessern, am Ende noch ein paar Starts. Dann kamen die freundlichen Worte: „Wenn Du willst, kannst Du bei uns nach der Eispflege noch mittrainieren.“ Kurzentschlossen änderte ich meine Pläne für den restlichen Tag. Der geplante Skilanglauf in Inzell am Nachmittag musste sich diesem Angebot unterordnen. Ich berichte dem Trainer von meinem Kurverproblem und er gab mir technische Aufgaben. Am Ende wurde es über eine halbe Stunde intensives Techniktraining. Ob die Kurven nun endlich besser werden? Mal abwarten!
Anschließend schnell noch unter die Dusche und die Fahrt konnte beginnen. Im Thüringerwald riss der Hochnebel auf und der strahlende Sonnenschein lockte mich auf einen einsamen Autobahnrastplatz zu einer längeren Mittagspause im Freien. Die restlichen Kilometer zogen sich relativ entspannt hin, denn die Staus waren immer nur auf der Gegenseite. Um 17:00 Uhr hatte ich mein Quartier bezogen. An der Rezeption wurde mitgeteilt, dass ich Glück und damit nachts Ruhe hätte, weil ich mit der amerikanischen Mannschaft auf einem Flur wohnen würde. Cool, der größte Medaillenfavorit für Olympia wohnt ab Morgen nur ein paar Türen weiter. Wenn sich doch nur etwas von seinem Tempo auf mich abfärben würde.

Tag 1 – Rennen Erfurt

Die frühmorgendliche Fahrt war unerwartet extrem anstrengend, da hinter dem Harz dichter Nebel das zügige Vorankommen massiv erschwerte. Etwas später als geplant kam ich in die Erfurter Halle, konnte gerade aber noch eine halbe Stunde Eisgewöhnung machen. Bei den Rennen machte sich die ausklingende Erkältung noch deutlich bemerkbar. Auch fehlte das geplante Training des letErfreulich war die Saisonbestzeit für den 500 m Start in 12,83 s. Allerdings verstolperte ich in meiner Euphorie sofort danach die Kurve, so dass es mit der eröfften guten Zeit nichts wurde. Über 1500 m liefen die ersten 700 m richtig gut, aber dann war die Luft weg und die letzten zwei Runden waren Quälerei. Trotzdem reichte es zur zweitbesten Zeit in dieser Saison.
Da mein übliches Quartier virenversucht war, hatte ich mich logistisch bereits auf eine Nacht im Auto eingestellt. Aber dank Tjards netten Angebot eines frein Sofas blieben mit die -1°C erspart.

Tag 0

Der übliche Stress vor zwei Wochen Tour. Alles zusammen kramen, waschen um zwei schöne Wochen in Inzell zu haben. Für das letzte Testrennen morgen in Erfurt ist bereits gemeldet.
Insgesamt stehen drei Rennen mit zehn Strecken über in Summe 15.000 Meter auf dem Plan. Erfurt als letzter Test, Innsbruck mit der Sprint-WM und abschließend Inzell mit der Allround-WM.

Stavanger, Tag 1

Dem langen Schlaf folgte ein ausgiebiges Frühstück. Dann kam das unvermeidliche Training auf der Eisbahn. Mittagessen und schon ging es weiter mit dem Begrüßungstreffen. Endlich schielte auch mal die Sonne durch die Regenwolken und ein kurzer Ausflug zu den „Drei Schwertern“ an die Westlüste, sowie der Spaziergang durch das wunderschöne alte Hafenviertel füllten den Kulturbeutel. Abends folgte der neugierige Blick auf die Auslösung der morgigen Rennen, sowie das obligatorische Schleifen der Kufen.

Stavanger, Anreise

Der Tag begann früh, sehr früh, nämlich schon um 0:30 Uhr. Frühstücken, die letzten Sachen ins Auto werfen, Reinhold einladen und kurz nach eins ging es los in die Nacht Richtung Norden. Nach einem Tankstopp kamen wir Just-in-Time zum Fährhafen Hirtshals. Die etwas raue Überfaht (inklusive Whale-Beobachtung) war nichts für empfindliche Mägen. Aber ohne unnatürliche Gewichtsverluste erreichten wir Norwegen und nach drei Stunden weiterer Fahrt unser Quartier. Um 19:00 Uhr noch ein schnelles Training auf der Eisbahn um die steifen Knochen zu lockern. Ein Bierchen tat sein übriges, dass mich nach Erreichen der Horizontalen eine wohltuende Ohnmacht in den Schlaf beförderte.

Fotos aus 2023

Saison 2023

zurück zum Fotoalbum

Tag 25, DM Gold

Der Tag begann etwas stressig. Zimmer räumen, Auto packen, Brötchen holen und frühstücken standen auf dem Plan. Aber um 8:30 Uhr war ich auf dem Eis für das Warmup. Die 1000 m liefen schrecklich, Nach einem miesen Start folgten am Ende weiche Beine, die sich komplett leer anfühlten. Es war gar nicht gelaufen. Ich tat etwas, was ich sonst niemals mache, ich verstellte meine Kufe am rechten Schuh. Eigentlich ist das Irrsinn zwischen zwei Rennen ohne Möglichkeit zum Testen und Einlaufen. Das einzige was ich machen konnte war zeitig auf das Eis zu gehen und Schraubschlüssel sicherheitshalber mitzunehmnen. Es fühlte sich prompt komisch an, aber unter dem Strich besser. Also beließ ich es bei der Einstellung und ging an den Start. Eigentlich brauchte ich nur die siebeneinhalb Runden sauber laufen und der Titel wäre sicher, aber ich wollte etwas mehr. Das Rennen ging gut los, aber leider schlichen sich zum Ende drei Runden über 40 Sekunden ein, die meine Hoffnung auf eine Zeit unter fünf Minuten platzen ließen. Zumindest reichte es noch für eine Saisonbestzeit. Damit war ich Deutscher Meister der Altersklasse 60.
Duschen, eine Kanne Tee kochen und ab ging es auf den Heimweg. Ich weiß nicht, ob die 3000 m oder die sieben Stunden Autofahrt durch Sturm und Regen anstrengender waren.
25 Tage Eistour, so lange war ich noch nie unterwegs. Fünf Rennen, 19 Läufe mit 33 Km Wettkampfstrecken. Aber es hat sich gelohnt, Medaillen und Sieg bei den WWMG, Top-Ten Platz bei einer Sprint-WM und der deutsche Meistertitel erfüllten, bzw. übertrafen alle Hoffnungen.

Tag 24, DM Teil 1

Der Morgen begann mit dem üblichen Brötchen holen am frühen Morgen. Mein Blick schweifte über die Berge und ich entdeckte ein Licht am Aufstieg zum Gamsknogel: Sind hier etwa irgendwelche komischen Celler auf Nachtwanderung unterwegs? Anschließend letzte Vorbereitungen auf das Rennen: Schleifen, Bananen kaufen. Pünktlich ging es zur Bahn zum Warmup. Alles lief gut und planmäßig stand ich am 500 m-Start auf der ungeliebten Außenbahn. Der Start glückt und ich bekomme Vorsprung, den mein Kontrahent durch den Kurvenvorteil wieder ausgleicht und direkt nach dem Kurvenausgang springt er mir vor die Kufen. Mir bleibt nichts anderes übrig als ihn an den Hüften zu packen und wie bei der Inlinestaffel wegzuschieben. Das Rennen ist damit für mich im Eimer und mein Kontrahent wird ohne lange Diskussionen disqualifiziert. Das Angebot auf einen Neustart nehme ich an. Allerdings habe ich nicht einmal 30 Minuten Pause. Die Schlittschuhe ziehe ich gar nicht erst aus. Schnell hinsetzen, Tee trinken und gleich wieder einlaufen. Den zweiten Lauf kann ich nun allein und ohne Störung absolvieren. Der Start ist gefühlt gut, aber langsamer als beim ersten Mal, der Rest des Laufes klappt gut, aber die Beine sind in der Schlusskurve arg müde. Trotzdem bin ich um 3/10 schneller, als beim ersten Versuch.
Nun habe ich etwas mehr Pause für die Erholung. Die 1500 m gehen recht gut los, an Ende lassen die Kräfte nach, aber die Zeit ist OK, neue Saisonbestzeit um zwei Sekunden besser als die alte Marke. Zufrieden kann ich auf den Zwischenstand in meiner Altersklasse blicken, mit satten 11 Punkten liege ich in Führung. Morgen bloß keinen Mist bauen!
Abends geht’s zur Belohnung ins Massimo Pizza essen, dann Weltcup gucken, Kufen polieren, und schon mal etwas packen und ins Auto laden. Morgen geht’s früh los und zuvor muss ich noch mein Quartier räumen.

Tag 23, die Spannung steigt

Langsam steigt die Anspannung vor der morgigen DM. Mittags kam schon die Auslosung: Zweimal Außenbahn, Mist! Aber wenigstens passende Gegner. Dann geht es zum letzten Training. Nochmal alles testen, Beschleunigung, Kurvenein- und -ausgang, Start. Es klappt und das Gefühl ist gut. Danach duschen und ein kurzes verspätetetes Mittagessen, bevor es abends zur Obleutebesprechung geht. Keine Altersklassen werden zusammengelegt! Das war meine größte Befürchtung im Vorfeld. Aber die Regeln werden für alle sehr sportlerfreundlich interpretiert. Gut so! Auch meinen Rennanzug darf ich benutzen und muss nicht auf den nicht vorhandenen Vereinsanzug wechseln. Katrin hat sich krank abgemeldet. Es hat sie, wie auch zahlreiche andere Teilnehmer in Baselga mit einer fiebrigen Erkältung erwischt, so dass einige Sportler jetzt hier in Inzell abmelden mussten. Monique erkundigte sich bei mir, ob ich gesund sei und war recht erstaunt über meine positive Antwort. Schwein gehabt!!!

Tag 22, Zwangspause

Da ist man in Inzell und darf/soll/will nicht auf das gähnend leere Eis gehen. So schwer es fällt, aber ich bin konsequent und lege vor diesem Wettkampf mal eine Pause ein. Die letzten Trainings liefen super und daher besteht einfach die Gefahr, dass ich zu viel mache, weil es einfach nur Spaß macht mit Volldampf durch die Kurven zu ballern. Als Ablenkung habe ich mir eine Tour mit dem Auto durch die Landschaft zum Tanken und Einkaufen gegönnt. Aber das macht im strömenden Regen und teilweise in den Wolken auch nur bedingt Spaß.

Tag 21, Mal Frühsport

Schon gestern hatte ich beim Brötchen holen im Kurpark eine Loipe entdeckt. Und tatsächlich war sogar ein Loipenfahrzeug darauf unterwegs und präparierte sie frisch. Bis auf ein paar zusammen geschobene Schneeberge ist alles grün-braun, aber hier liegt ein 800 m langes weißes Band aus Schnee im Kur- und Badepark. Da es nachts noch recht frostig wird und somit eigentlich gute Verhältnisse herschen sollten, nutzte ich die Gelegenheit am frühen Morgen mal etwas Frühsport in der Loipe zu treiben. Nach fünf Runden wurde es langweilig, aber immerhin es war ein schöner Start in den Morgen und das nur 300 m von meinem Quartier entfernt. Dann hieß es wieder arbeiten und abends trainieren.

Tag 20, Alltag in Inzell

Leider hat mich das Alltagseben wieder eingeholt. Die Pflicht und Arbeit rief. Draußen Sonnenschein und Frühlingswetter und ich im Zimmer am Computer. Aber abends konnte ich wenigstens auf das Eis gehen und trainieren. Dabei hatte ich die Gelegenheit eine andere Kufe zu probieren. Sehr interessant, aber auf meiner alten Kufe fühlte ich mich in der Summe doch wohler.

Tag 19, Tschau Baselga!

Heute früh kamen wir nach Mitternacht erst ins Bett. Die Italiener wissen eben Abschlussfeieren zu zelebrieren. Aber ein Viergängemenü und viel Wein sorgten für die nötige Bettschwere. Trotzdem hieß es früh aufstehen, Brötchen holen, frühstücken und Auto packen. Kurz vor neun starteten wir in Richtung Heimat. Reinhold war schon etwas früher losgefahren und hatte prompt einen Stau gefunden. Mein Navi lotste uns durch wilde Bergregionen ohne Stau. Auf der Autobahn rollte es bei strahlendem Sonnenschein fast wie von allein nach Norden. Kurz vor 13:00 Uhr kamen wir in Inzell an. Katrin packte ihre Sachen in ihr Auto um nach Hause zu fahren. Ich erledigte kurz ein paar Einkäufe und schon ging es zur Eishalle. Oh, welche Wohltat mal wieder eine Kurve ohne Hügel im Eis laufen zu können! Am Abend machte sich das Schlafdefizit bemerkbar und es erwischte mich ein Schlafanfall.

Tag 18, Geschafft!

Der letzte Wettkampftag begann wieder sehr frostig beim Warmup. Pünktlich zu Wettkampfbeginn erwärmte dann aber die Sonne das Stadion. Meine 500 m durfte ich allein auf der Innenbahn startend laufen. Ein gelungener Lauf und zum Abschluss meine beste 500 m-Zeit der zwei Wochen in Baselga. Erfreulich war auch die Platzierung als achter. Dafür waren die 1000 m eine Katastrophe. Erst war die Warmlaufzeit nur fünf Minuten lang und dann musste ich auch noch auf der ungeliebten Außenbahn starten. Irgendwie klappte nichts, kein Druck in der Kurve, dafür viel Krampf auf der Geraden. OK, den Lauf gewinne ich locker, aber die Zeit ist sogar für die Verhältnisse in Baslega unterirdisch, reicht aber für Rang neun. In der Endabrechnung werde ich ebenfalls neunter und erreiche damit mein bisher bestes Ergebnis bei einer Sprint-WM und schaffe zum zweiten Mal eine WM Top-Ten Platzierung, was mein Ziel war. Unser Versuch nach den Rennen im Sonnenschein noch etwas mit der deutschen Gruppe zu trainieren wurde vom öffentlichen Laufen abrupt beendet. Gleich geht’s zur Siegerehrung im Rahmen des großen Abschlussbanketts.

Tag 17, Sprint-WM Teil 1

Das Wetter meint es fast gut mit uns. Strahlender Sonnenschein und Wärme, aber ein steifer Nordwind, entsprechend gut fühlt sich das Eis an. Aber bei dem böigen Wind macht es keinen Spaß zu laufen. Endlich funktionieren meine Starts, aber die Runden sind eher vom Wind verweht. In beiden Läufen werde ich zehnter in der Altersklasse, auf dieser Position lande ich auch im Zwischenstand der Gesamtwertung. Die Abstände nach vorn und hinten sind jetzt schon gewaltig. Top-Ten war ja mein Ziel für diesen Wettkampf, das ich aber mit deutlich besseren Zeiten erreichen wollte. Schon mittags sind wir fertig mit den Rennen und genießen nun die Sonne auf unserem windgeschützten Balkon.

Tag 16, es geht wieder los…

Langsam steigt wieder die Anspannung. Heute war ein letztes kurzes Training bei wunderschönen Frühlingswetter auf endlich mal guten Eis, dann natürlich das obligatorische Kufen schleifen, was bedingt durch Katrins Anwesenheit doppelte Arbeit bedeutete. Baselgas Eis hatte einige Spuren im Stahl der Kufen hinterlassen, so dass es nicht mit einmal einfach polieren getan war. Anschließend ging es zum Welcome-Drink. Bei den WWMG war das eher eine traurige Veranstaltung, aber man merkte sofort, dass dieses Mal eine ganz andere Regie am Zuge war. Ein wohlgefülltes Buffet mit italienischen Kleinigkeiten (oder auf neudeutsch Fingerfood) erwartete uns. Warum hatte ich Töffel vorhin bloß noch selber Nudeln gekocht und gegessen? Ich verzichte an dieser Stelle auf weitere Details des Buffets, freue mich aber jetzt schon auf das Essen beim Abschlussbankett. Da war doch noch was!? Achja, die Auslosung: Über 500 m geht es auf der Außenbahn gegen einen alten Bekannten aus meiner AK, Marco Roos aus den Niederlanden. Auf 1000 m darf ich auf der Innenbahn gegen einen deutlichen jüngeren Argentinier starten.

Tag 15, Ruhe

Langsam macht sich die Anspannung vor dem nächsten Wettkampf breit. Eigentlich sollte man sich ausruhen und die Beine hochlegen, aber andererseits lockt einen das schöne Wetter auf die Eisbahn. Und dennoch möchte man immer wieder die letzten Feinheiten in den Kurven und beim Start korrigieren und verbessern. Entspechend kurz war das Training und länger die Ruhe.

Tag 14, Routine

Langsam wird der Tagesablauf zur Routine. Morgens Brötchen holen, frühstücken, eine Runde arbeiten, dann schnell rüber zum Eisstadion und trainieren. Anschließend weiter arbeiten. Gestern Abend kam Sylvia, eine eingeborene Eisschnellläuferin, zu Besuch und wir hatten einen netten Abend, natürlich mit selbstgebackenen kleinen Brötchen. Die Wetterbedingungen werden immer angenehmer. Es ist wärmer geworden und im Sonnenschein ist es tagsüber fast schon frühlingshaft.

Tag 13, Trainingsalltag

Auch heute stand die Arbeit an erster Stelle. Aber anstatt eines spätabendlichen Training in der Kälte, gönnte ich mir heute eine großzügige Mittagspause. In der strahlende Mittagssonne drehten wir unsere Runden. Wie brauchten viele kurze Beschleunigungen bis endlich der Kurveneingang einigermaßen passte. Im gleißenden Sonnenschein waren die Bahnmarkierungen nicht zu erkennen. Irgendwann war ich davon dermaßen genervt, dass ich meine Trinkflasche als Kegel für den Kurvenbeginn und meine Schützer Kurvenhütchen auslegte. Einige andere Sportler bedankten sich anschließend bei mir für die gute Idee. Nebenbei haben wir einige Videos gemacht. Dann ging es wieder an die Arbeit. Nach dem Abendessen folgte ein abendlicher Spaziergang im Mondenschein und anschließend folgte noch die Videoanalyse.

Tag 12, nix los

Heute holte mich der Alltag wieder ein. Den ganzen Tag über arbeiten, abends kam ich dann um 19:00 Uhr für eine knappe Stunde auf’s Eis. Sobald die Sonne untergegangen ist, wird es ganz schnell wieder saukalt. Das Lügenthermometer an der Eisbahn erzählte was von +5°C, ich glaube eher da war ein Vorzeichenfehler.

Tag 11, Gran Prix und Natureis

Morgens um 8:57 Uhr bei -9°C müssen wir an den Start der 500 m. Die Kälte beißt im Gesicht. Mit üblen Wacklern auf den Wellen im steinharten Eis in beiden Kurven ist nicht mehr als eine 49-er Zeit drin. Zu den abschließenden 1500 m wärmt schon die Sonne, trotzdem immer noch -6°C. Die 1500 m laufen gefühlt ganz gut, aber die Zeiten bleiben mies. Am Ende erreiche ich Rang zwei der Gesamtwertung der Masters im Vierkampf.
Nach einem kurzen Mittagessen hatten wir uns anschließend auf dem See von Baselga verabredet. Eine herliche große Natureisfläche, auf der sich geschätzt 200 Menschen im Sonnenschein tummeln. Darunter auch einige Bekannte vom Wettkampf. Wir machen ein paar lange Runden und viele Fotos. Zur Belohnung geht es am Abend in die Pizzaria, die noch genauso gut ist, wie ich sie von 2016 in Erinnerung hatte. Totmüde fallen wir in die Betten.

Der See, unendliche Weiiten, wir schreiben das Jahr 2024…

Tag 10, Baselga Gran Prix

Nein, keine Pause oder ein lockeres Erholungstraining standen heute auf dem Programm. Wir hatten kurzfristig zum lokalen Rennen, dem 2. Baselga Gran Prix gemeldet. Für die Masters standen heute 500 m und 1000 m an. Das sahen wir als passende Vorbereitung auf das kommende Wochenende. Das Eis wird von Tag zu Tag besser. Beim Warmup machte es richtig Spaß im strahlenden Sonnenschein. Aber binnen einer Stunde sinkt die Sonne und das Eis ist zu den 500 m wieder steinhart. Mein Lauf gelingt schon etwas besser, als der von den Games. Zwei Stunden später zu den 1000 m ist es saukalt. Einlaufen in dicker Daunenjacke ist mir auch selten passiert. Aber das war genau richtig, im Gegensatz zu den 500 m war ich diesmal nicht schon an der Startlinie komplett durchgefroren. Das zweite Rennen läuft so trotz der Kälte viel besser. Im Vierkampf der Masters liege hinter einem Franzosen auf Rang zwei der Gesamtwertung. Morgen geht’s weiter.

Tag 9, die Hölle über 10.000 m

Der heutige Tag beginnt wieder recht ruhig. Gegen 10 Uhr fahren wir zur Bahn. Das Los hatte Reinhold und mich ins gleiche Quartett gewürfelt. Es ist kalt geworden und ein eisiger Wind peitscht über die Bahn. Dafür ist das Eis wenigstens recht gut. Beim Start komme ich gut weg und kann auf meiner ersten Gegenwindgeraden den Windschatten meines Mitstreiters nutzen. Auf der Zielgeraden macht es der Rückenwind leicht, aber nur um einen in der Kurve brutal abzubremsen. Die Wechselgerade ist die Hölle und ohne Tempo macht die nächste Kurve auch keinen Spaß. Nach einigen guten Runden hat der Wind gegen mich gewonnen und ich quäle mich nur noch über die Strecke. Meine Erkältung lässt mich ihre Anwesenheit deutlich verspüren und mein Körper gibt mir die Quittung für gestrigen 5000 m. Dazu verliere ich jede Lockerheit und der Rücken meldet sich schmerzhaft zu Wort. Nach gut 19 Minuten hat das Grauen endlich ein Ende. Einen meiner Gegner konnte ich einholen und damit bereits den Platz auf dem Treppchen sichern. Ein weiterer Norweger aus unserer Alterklasse kommt kurz dannach an beide Zeiten nicht heran, was Silber für mich bedeutet. Den Sieg muss ich aber Hans-Gerd Heyne überlassen, der heute viel besser als ich mit den Verhältnissen klar kam.

Kurz bevor ich Reinhold einhole.

Am Abend steht das Abschlussbankett samt den letzten Siegerehrungen an. Ein Viergängemenü mit viel Wein hilft die Schmerzen der 10.000 m zu vergessen. Recht angeheitert fliehen wir vorm Lärm als die Liveband zu spielen beginnt und beenden den Abend lieber zu Hause bei Reinholds Gitarrenmusik.

Tag 8, Sieg!

Der Tag begann recht gemütlich. Ich leistete Katrin beim frühen Früstück Gesellschaft, da sie am Vormittag noch über 1500 m ran musste. Diese Strecke hatte ich ausgelassen, da man nur vier der sechs möglichen Distanzen melden durfte. Eigentlich wollte ich Katrin schnell zur Strecke fahren, aber die Straße war durch nächtlichen Eisregen endgültig unbefahr geworden. Also musste Katrin laufen und ich konnte das Frühstück zusammen mit Reinhold fortsetzen.
Mein kratziger Hals hat sich langsam zu einer kleinen Erkältung ausgewachsen, so dass ich gegen Mittag mit gemischten Gefühlen zur Strecke aufbrach (glücklicherweise mit dem Auto dank des einsetzenden Tauwetters). Einige Mitstreiter hatte ich instruiert, welche Ansagen und Informationen ich während des Rennens über die 5000 m bräuchte, denn in meinem Quartett, aber im zweiten Paar lief auch Hans-Gerd Heyne mit, vor dessen Ausdauer ich durchaus Respekt habe. Die übrigen Starter unserer Altersklasse hatten recht schwache Ergebnisse geholt, so dass es nun Gold und Silber ging. Das Rennen geht erwartungsgemäß los und ich hole mir gleich nach dem Start einen Vorsprung von bis zu sechs Sekunden heraus. Ich kann sogar Hans-Gerd vor mir am Ende der Gerade sehen. Aber mir macht die Erkältung zu schaffen und Hans-Gerd scheint langsam warmgelaufen zu sein. Runde um Runde schrumpelt mein Vorsprung zusammmen, bis zwei Runden vor dem Ziel nur noch ein Sekündchen übrig ist. Trotz schmerzender Bronchien beschleunige ich noch einmal auf der letzten Wechselgeraden und hole alles aus mir heraus (naja, also das Frühstück blieb gerade noch drin). Ich erreiche das Ziel und banges Warten auf das zweite Paar beginnt. 2,7 Sekunden waren es am Ende, die mir die Goldmedaille bescherten. Mein großer Dank geht an Marvin (ohne seine Zeitansage wäre das nichts geworden), Monique und Reinhold für die lautstarke Unterstützung! Über die Zeiten legen wir lieber den Mantel des Schweigens. Das Wetter war zwar windstill, sonnig und angenehm warm, aber entsprechend weich und langsam wurde das Eis. Es waren meine schlechtesten 5000 m, aber unter den Bedingungen litten alle Sportler und ihre Zeiten gleichermaßen.
Zuvor hatte Reinhold bereits Gold der AK70 gewonnen und das obwohl er beim Betreten des Eises gestürzt war und sich eine schmerzhafte Rippenprellung zugezogen hatte. Ich hatte mich gerade umgezogen und Sehnsucht nach einer heißen Tasse Tee, als es mir entgegenschalte, dass Katrin gerade läuft und ich arbeiten solle. Als ran an die Bande und Katrin coachen. Auch für sie reicht es über die 5000 m zu Gold. Im ganzen waren wir heute wohl eine recht erfolgreiche WG.
Zuvor am Morgen hatte mich die Nachricht vom tragischen Tod einer Kollegin erreicht, die ich seit über 28 Jahren gut kannte. Solche Geschehnisse relativieren den sportlichen Erfolg. Nach Feiern ist mir im Moment gerade nicht zumute.

Tag 7, Pause

Heute stand ein Ruhetag auf dem Programm. Also fuhren wir um 10:00 Uhr zum Training. Als wir das Eis betraten, begann es zu schneien und zu schneien und noch mehr zu schneien. An Training war kaum noch zu denken also griffen die anwesenden Sportler zur Selbsthilfe und versuchten sich im Schneeschieberschnelllauf. Durch diesen nicht gerade dezenten Wink fühlten sich die Eismeister bemüßigt doch noch mal ihre Eismaschinen in Bewegung zu setzen. Das sorgte aber auch nur für wenige Minuten freie Bahn.

Fast wie zu Hause, erst schippen, dann trainieren… (Foto von Michael Preuß

Also fuhren wir zum Einkaufen und anschließend wollten wir zurück ins Quartier. Das Navi schlug uns eine alternative Route vor. Hinter einer Kurve ein Anstieg, der Sharan rutschte und blieb stehen. Keine Chance bei der Schneeglätte. Also zurück zu unserem normalen Weg. Die ersten Steigungen meistern wir ohne Problem. Aber auch hier war in der schmalsten und steilsten Stelle kein weiterkommen. Zurückrollen in die Nebenstraße und schon scheitert auch mit Anlauf der nächste Versuch. Nun müssen Katrin und Reinhold raus und schieben. Das Zurücksetzen wird zum zurückrutschen in einer zweieinhalb Meter breiten Gasse. Ein letzter Versuch hart entlang einer Hauswand, weil dort etwas weniger Schnee liegt und dank der Schiebehilfe im richtigen Moment gelingt es. Ich halte nicht mehr an bis ich vor unserem Quartier stehe. Katrin und Reinhold müssen den Rest der Strecke zu Fuß bewältigen. Erst wenn die Straße geräumt oder abgetaut ist, werde ich das Auto wieder bewegen.
Das Kratzen im Hals ist immer noch da, hoffentlich kann ich Morgen starten.

 

Tag 6, es geht los

Heute war es vorbei mit gemütlich. Bereits kurz nach sechs Uhr frühstückten mein Mitbewohner Reinhold und ich. Ab 8:00 Uhr war Zeit für das Warmup bei lausigen -6°C. Mal einen Sprint im Rennanzug zu wagen, wäre wohl eher ein Cooldown geworden. Trotzdem etwas Eisgefühl am Morgen schadet nicht. Unsere Starts waren kurz nach 10 Uhr vorgesehen. Kurz vorher kam die Sonne über den Bergrücken und wärmte die frierenden Sportler. Trotzdem war das Eis noch steinhart und dazu holperig. Ich kam mit den Verhältnissen überhaupt nicht zurecht und lief die mit Abstand nicht nur die schlechteste Zeit der Saison, sondern meines Lebens. Sie reichte dennoch für Rang drei. Bronze zum Auftakt, hinter einem Niederländer und einem Australier.
Kurze Pause, schnell zum Quartier eine neue Kanne Tee kochen und schon ging die Vorbereitung auf den zweiten Lauf des Tages los. Die 3000 m wollte ich nicht wieder so schlecht laufen. Außerdem war das Bewerberfeld um den zweiten Rang etwas dichter. Seiner Favoritenrolle wurde der Sieger der 500 m gerecht. Dahinter mussten sich ein weiterer Niederländer und zwei Deutsche die verbleibenden beiden Medaillen teilen. Ich musste vorlegen und lieferte mit 5:21,04 nichts berauschendes ab, aber insgesamt war ich unter den Umständen (Kälte, Wind und seit Tagen ein Kratzen im Hals) recht zufrieden. Im folgenden Quartett starteten die übrigen Aktiven meiner Altersklasse und nach deren Zieleinlauf freute ich mich bereits über die zweite Bronze, als plötzlich die Durchsage einer Disqualifiktion kam. Und tatsächlich, es traf den zweiten Niederländer und ich rutschte auf den Silberrang nach vorn.

Tag 5, Ruhe

Ein Tag von dem es nicht viel zu berichten gibt. Ausschlafen, ausführliches Frühstück, das schon bald ins Mittagessen überging. Anschließend ein kurzes Training auf dem immer noch schlechten Eis. Das Teamleadermeeting, die Auslosung und den Wellcome-Drink habe ich mir gespart, sondern mich kurz um diverse Kufen gekümmert und es gemütlich angehen lassen. Der Hals fühlt sich seit Samstag kratzig an, das ist für den Wettkampf in der Kälte nicht schön. Abends kam dann die Auslosung. Zweimal Start auf der ungeliebten Außenbahn und meine Konkurrenten dürfen auch noch nach mir laufen.