Collalbo Tag 4, furioses Finale

Am letzten Wettkampftag standen die 5000 m auf dem Programm. Bedingt durch meinen Sturz über 3000 m war ich in einem relativ schwachen Quartett gelandet. „Bleib locker und gleite!“ hatte mir Monique mit auf den Weg gegeben. Nach dem dieses Mal unfallfreien Start beschleunigte ich und versuchte meinen Rythmus zu finden. Im Bereich von 39-er Rundenzeiten pendel ich mich ein, bis ich auf den hinter mir gestarteten Läufer auflief. Dieser hatte seinerseits meinen Partner eingeholt, so dass wir zu dritt in den Kurvenausgang kamen. Aber meine Mitstreiter waren sehr faire Sportkameraden und machten mir soviel Platz wie möglich. Ich konnte mich reibungslos vor sie setzen und sie freuten kurz über meinen Windschatten. Den vierten Läufer hatte ich schon vorab überholt. Dieses Überrundungs-Chaos war zuviel für die Zeitmessung. Die Elektronik streikte. Aber es gibt immer noch die manuelle Zeitnahme als Backup und diese lieferte eine 8:17,50. Das war zunächst die Führung in der Altersklasse, aber die meisten kamen ja noch. Kurz nach meinem Lauf war Eispflege, die ich zum Umziehen nutzte. Als meine Konkurrenten an der Reihe waren, stand ich schon mit einem Becher heißen Tee an der Bande und sah mir das Drama von außen an. Ich gebe zu, mein Grinsen wurde mit der Zeit immer breiter. Einer nach dem anderen starben viele meiner Konkurrenten förmlich auf den letzten Runden. Nun zeigte sich erst wirklich, was meine Zeit wert war. Am Ende reichte sie für Rang sechs über die 5000 m in der Altersklasse. Damit schob ich mich auf den 13. Platz nach vorn. Insgesamt ein versöhliches Ergebnis. Der dumme Sturz über die 3000 m hat mir ungefähr drei Wertungspunkte (18 s.) gekostet. Schade, damit wäre ich im Bereich des zehnten Platzes gelandet. Egal, ich hatte zwei richtig gute Läufe zum Schluss und der sechste Rang auf einer Einzelstrecke bei einer stark besetzten WM ist auch was wert.
Gleich geht es zum Bankett samt Siegerehrung. Hunger ist ausreichend vorhanden und ich glaube kaum, dass uns die südtiroler Gastfreundschaft enttäuschen wird.

Collalbo Tag 3, Bauchklatscher und SB

Da trainiert man und macht eigentlich alles richtig, steht am Start und es geht los… tja, und dann beim letzten Wechselschritt in der Kurve hält mir irgendwer oder irgendetwas die Kufe fest. Schon ist der Bauchklatscher fertig. Ich rausche quer über die Bahn räume eine Ladung Markierungsklötzchen ab und verteile sie auf der Strecke um anschließend in der Bande einzuschlagen. Alte Inliner-Weisheit: Nicht denken, hochrappeln, weiter rennen. In den nächsten zwei Runden stelle ich fest, dass körperlich alles OK ist. Aber an irgendeine Art von Rennrythmus ist nicht mehr zu denken. Ich eiere die sieben Runden mit 40-er Rundenzeiten runter, 5:14,39. Zurück „an Land“ empfangen mich viel Trost und Respekt für mein Fortsetzen des Laufes. Zum Glück habe ich mit dem Sturz keinen behindert, so dass mir eine Disqualifikation erspart bleibt.
Damit sind alle Hoffnungen auf eine gute Gesamtplatzierung zunichte. Meine Zeit reicht sogar noch für Rang 16, den ich nun auch im Gesamtklassement einnehme.
Vor den nun anstehenden 1500 m muss ich den Mist erst einmal verdauen. Die Aussicht auf vermeintlich schwache Gegner in den kommenden Läufen ist auch gerade nicht motivierend. Kurz vor der Startzeit kommen die Startlisten und bin hocherfreut mit Frank Probst, meinem guten Freund aus Berlin, einen guten Gegner bekommen zu haben. Anfang Januar hatte er die 1500 m in Berlin noch für sich entschieden.
Das Wetter wird langsam besser und die dicke Unterwäsche wandert in die Tasche, dafür kommt die Sonnenbrille wieder zum Einsatz. Das Eis wird auch wieder schneller, nur der leichte Wind stört ein wenig. Mit einer Mischung aus Frust und Wut am Start brettere ich los, lege eine Angang von 30,2 hin. Beim ersten Bahnwechsel hätte Frank vor mir sein sollen und ich wollte den Windschatten nutzen. Fehlanzeige! Also Volldampf weiter. Ich finde meinen Rythmus und liefere und Monique zeigt mir eine gute 35,1 für die erste Runde. Auf den beiden Schlussrunden hatte ich in allen Rennen dieser Saison immer geschwächlt, aber jetzt läuft es und mit einer 37,1 bin ich voll im Plan. Das motiviert, ich höre Frank hinter mir in der Kurve, aber er kommt wieder nicht vorbei um mir Windschatten zu geben. Egal, die letzten 300 m nochmal alles geben. Monique ruft mir technische Anweisungen zu, die ich versuche umzusetzen, am Ende: 2:19,63! Meine Saisonbestzeit um 2 s verbessert, beste Freiluftzeit meines Lebens. Im Ergebnis des Laufes bin ich auf Platz 12 gelandet und das auf meiner schwächsten Strecke. Sogar für die Gesamtwertung reicht das Ergbnis um mich auf Rang 15 zu schieben.

Collalbo Tag 2

Heute geht es endlich los. Gleich mit der ungeliebten Zittersrtecke über 500 m. Nirgends kann man einen Vierkampf so gründlich vermasseln wie bei den 500 m. Das stellten auch gleich einige Sportler unter Beweis, indem sie sich eine Disqualifikation einfingen.
Die Bedingungen nahezu optimal. Nur der Gegenwind auf der Start- und Zielgeraden war etwas unglücklich für die 500 m. Mein Start glückte, aber die Kurven liefen nicht so recht stabil und rund, 0:46,31 zeigte die Anzeigetafel. Das bedeutete Rang 13 unter den 18 Startern. TOP-15 hatte ich mir für die Gesamtwertung vorgenommen, also liege ich im Soll. Im Mittelfeld sind Abstände aber recht klein, so dass Morgen bei den 3000 m die Streu vom Weizen getrennt wird. Tja, mit einmal 500 m auf dem Programm ist der Tag vorbei, bevor er richtig begonnen hat.

Collalbo Tag 1

Wir ließen es sehr gemütlich angehen. Wegen der warmen Temperaturen hatten wir uns für die Trainingszeit am Nachmittag entschieden. So genossen wir den Vormittag im Sonnenschein auf unserem Balkon.
Beim Training war es mit ca. 80 anderen Sportlern recht voll, aber erträglich. Das Thermometer an der Bahn zeigt in der Sonne 15°, aber das Eis war gut. Anschließend Teamleadermeeting und Startauslosung. Danach kurz duschen und ab zum Welcome-Drink. Hier ließen sich die Gastgeber nicht lumpen und wir sparten uns dort gleich das Abendessen für diesen Tag ein.

Pfaiti Inzell, Servus Klobenstein

Heute hieß es in Inzell Abschied nehmen. Wie starten durch eine wunderbare Winterlandschaft Richtung Klobenstein. In Südtirol erwartete uns schon fast Frühlingswetter. Wir saßen am Nachmittag ohne Jacken im Sonnenschein in 1370 m Höhe und genossen die Aussicht von unserem neuen Quartier. Am Abend kamen die üblichen Formalien, Anmeldung und erste Test der Eisbahn.
Nach Inzell, dem schnellsten Eis Europas ging es über den historischen Eisring in Innsbruck (Olympia 1964 und 1976) nun zur schnellsten Freiluftbahn der Welt. Das milde Wetter auf der Südseite der Alpen und die Höhe von 1173 m haben Collalbo (oder Klobenstein) diesen Titel eingebracht.
Mein erster Eindruck vom Eis war steinhart. Ja, auf dem Eis kann man gleiten, aber das superschnelle Feeling, wie in Inzell, wollte sich nicht einstellen.

Training in Inzell

Die drei Folgetage blieben recht unspektakulär. Einmal am Tag Training, sich gegenseitig korrigieren, Viedos aufnehmen und immer wieder die Bewegungsmuster einschleifen. Die Beine brennen, an ein zweites Training am Tag braucht man kaum noch zu denken. Aber faul rumhängen ist auch nicht mein Ding. Erfreulicherweise hatte es am Wochenende geschneit, aber die gut 10 cm Schnee reichen nicht, dass hier im Ort die Loipen gespurt werden. Also fuhr ich nach Östereich ins höher gelegene Heutal. Auf über 1000 m Höhe waren gute Schneeverhältnisse. Nur die Loipe im Tal hatte gerade fünf Kilometer Länge und war ansonsten recht langweilig. Es soll hier irgendwo ja eine Loipe rüber zur Winklmoosalm geben. Die meisten Läufer wissen nichts davon. Nach einem wagen Hinweis folge ich auf einem Fahrweg ohne Loipe den Skispuren. Nach einem heftigen Anstieg erreiche ich den nächsten Ortsteil, finde die Ausschilderung und vor mir tut sich eine super präperierte Loipe auf. Die Aussicht auf einen leckeren Kaiserschmarrn im Sonnenschein auf der Alm lassen mich die knapp sechs Kilometer überstehen. Ich erreiche das Ziel und bin enttäuscht vom lärmigen Apres-Ski Trubel. Mein Blick zurück trifft hässliche dunkle Wolken, die sich vor die Sonne schieben wollen. OK, Kaiserschmarrn gestrichen, ab auf den Heimweg! Zum Glück ging nun überwiegend bergab, wobei das ohne Sonne verdammt schon kalt wurde. Zu allen Überfluss stellte sich am Abend auch noch heraus, dass der Stammitaliener sich kurzfrstig Betriebsferien gegönnt hat. Das grenzt schon an Diät!

Loipe vom Heutal zur Winklmoosalm.

Der Sonnenschein lockte mich am nächsten Tag zu einer kleinen Wanderung durch eine herliche Winterlandschaft.

Zurück in Inzell

Mit einer Nacht Abstand lässt sich resümierend über die WWMG in Innsbruck sagen: Es hat sich gelohnt. Die Stimmung war klasse, das Ambiente und die Organisation passten. Außerdem sind auch mal Einzelstrecken interessant, als immer nur die Mehrkämpfe. Da kann ein Rennen auch mal schlecht laufen, egal! Beim nächsten Start fängt alles wieder bei Null an. Lange hatte ich gestern noch darüber gegrübelt, ob ich heute noch die 10000 m, anstatt der gestrigen 1500 m hätte melden sollen. Die Antwort gaben mir meine Beine heute Morgen. Nein, die wollen heute keine 25 Runden mehr im Renntempo laufen. Ich war um 8:00 Uhr locker trainieren. Natürlich geht mal ein Antritt oder eine Steigerung, aber ein ganzes Rennen? Lieber nicht. Es wäre eine Enttäuschung geworden. Außerdem ist das schöne Wetter in Innsbruck vorbei und lange Strecken im Schnee oder Regen laufen?Igitt! Weiter ist nach dem Rennen auch vor dem Rennen. Nächsten Freitag soll es in Collalbo weitergehen. Wenn welchen Beinen soll dort sprinten, wenn heute 10000 m gelaufen waäre? Es wird auch so schon schwer genug die richtige Balance zwischen Training und Regeneration zu finden.
Sicher hätte man in Innsbruck noch viel mehr mitnehmen können. Da gab es noch sehr viel Rahmenprogramm oder eben auch die Besuchsmöglichkeit bei den anderen Sportarten. Außer einen kurzen Blick zum Eiskunstlauf (war direkt nebenan) habe ich davon nicht viel mitbekommen. Aber die Entscheidung für Training in Inzell anstatt Feiern in Innsbruck wird sich hoffentlich auszahlen, bzw. schien ja für die 5000 m gepasst zu haben. Ohne Moniques Training vom Anfang der Woche, hätte ich das so nicht hinbekommen.
Eins steht für mich fest: Sollten die nächsten WWMG in fünf Jahren in erreichbarer Nähe mit einer akzeptablen Eisbahn sein, werde ich wohl wieder dabei sein.
Die WWMG Statistik:
500 m: 0:46,79, Platz 9, 25 Starter aus 13 Nationen.
3000 m: 4:58,11, Platz 8, 23 Starter aus 13 Nationen.
1500 m: 2:22,41, Platz 15, 27 Starter aus 14 Nationen.
5000 m: 8:26,26, Platz 4, 15 Starter aus 10 Nationen.

Innsbruck Tag 2 (fast…)

Der zweite Wettkampftag in Innsbruck begann für uns recht freundlich in der Mittagszeit. Strahlender Sonnenschein und angenehme Wärme ließen eher an ein Sonnenbad und Frühling denken, als an Eisschnelllaufen.
Aufgabe eins war Katrin Leschner zu coachen. Wenn ich den erwische, der ihr eingeredet hat, dass man nur Rennen mit Schlittschuhen laufen knann, wenn ich am Rand stehe um irgendwelche dummen Sachen in die Landschaft zu brüllen. Jedenfalls lohnte sich mein Einsatz, sie gewann Silber. Allerdings wäre es wohl ohne meinen Einsatz nur Silber geworden!?
Dann das Warmup während der Siegerehrungen der Vormittagsrennen. Ich sollte im ersten Paar nach der nächsten Eisbereitung starten. Da die Warmlaufzeit nach der Eispflege immer sehr knapp bemessen wurde, ging ich schon vor der Eispause zum Warmlaufen. Dann plötzlich die Ansage, dass die Eispflege entfällt und gleich gestartet wird. „Schwein gehabt!“ Aber die geplante Vorbereitung passte irgendwie nicht. Die 1500 m liefen nicht toll, schneller Angang, um dann noch schneller zu sterben: Platz 15 in 2:22,41. Nicht toll, aber das mir selbst gesetzte Ziel „Top-15“ gerade noch erreicht. Ich will mich gerade vom Eis schleichen, da fragt mich Rene van Bernum, ob ich ihm die Zeiten ansagen könne, da die elektronische Tafel gerade den Geist aufgegeben hatte. Naja, im Hals war eh schon der leicht blutige Geschmack, da macht es ein wenig Brüllen auf nicht mehr schlimmer. Für Rene reichte es zum Sieg, aber den angepeilten Freiluft-Weltrekord der AK55 verpasste er knapp.
Nun war ich schon wieder gleich im nächsten Startblock an der Reihe. Also nur eine knappe Stunde Zeit zur Erholung. Aber die ersten Starter der obersten Altersklassen ließen es sehr ruhig angehen. Wie üblich gut 10-12 Minuten vor der Startzeit ging auf das Eis. Da kam die Meldung, dass die nächste Eispflege vorgezogen würde. Normalerweise hasse ich solche Planänderungen, aber hier bedankte ich mich bei dem Schiedsrichter, denn das Eis lag inzwischen schon über eine Stunde und wurde nach Sonnenuntergang schnell stumpf. Die Zwischenergebnisse ließen Hoffnung aufkommen, einige Konkurrenten waren nicht angetreten, ein anderer disqualifiziert. Die bisher gelaufenen Zeiten sollte ich packen können.
Sofort nach der Eispflege wurden wir zum Start gerufen. Schon auf der ersten Gerade spürte ich: Das Eis läuft. Wie üblich knalle ich los um mich nach einer ersten schnellen Runde auf mein Marschtempo einzupendeln. Mit stabilen Rundenzeiten um die 40 Sekunden lief ich die Strecke runter. Rene revanchiert sich für meine Hilfe mit einem klasse Coaching. Irgendwann um Runde neun sammele ich den hinter mir gestarteten Läufer ein, nutzte kurz seinen Windschatten um ihn dann zu überrunden. An vier Stellen hatten sich um die Bahn Freunde platziert und gaben ihr Bestes um mein Bestes aus mir herauszuholen. Danke! 8:26,36 lautete das Ergebnis und damit Rang zwei der Gesamtwertung, was gleichbedeutend mit der Führung der AK55 war.

Beim 8. von 9 Quartetten gab es noch eine kleine Hoffnung…

Und nur noch acht Läufer waren nach uns noch an der Reihe. Im folgenden Quartett startete nur ein Sportler aus meiner Altersklasse und der machte keine Anstalten meine Zeit anzugreifen. Im letzen Quartett waren aber die stärksten vier der AK55 aufgestellt worden. Die aufkeimende Hoffnung, als ich nur drei Sportler vor der Startlienie entdeckte, erstarb schnell, als die drei loslegten. Sie waren deutlich schneller als ich und keiner tat mir den Gefallen einen Fehler zu machen. Also blieb mir am Ende mit Rang vier die berühmte Blechmedaille. Tja, soll ich mich ärgern Bronze knapp verpasst zu haben? Oder über eine nicht erwartete starke Platzierung freuen? In Anbetracht eines guten Laufs, sogar mit Saisonbestzeit, entschied ich mich für’s Freuen.

Innsbruck Tag 1

12 Wintersportarten (von Skispringen bis Eishockey), 3128 Teilnehmer, 10 Tage. Das sind die dritten Winter Worlds Masters Games. Alle fünf Jahre finden diese olympischen Winterspiele der Masters statt, zum zweiten Mal ist Eisschnelllauf dabei. Die olympischen Sportstätten von 1976 in Innsbruck bieten dafür einen tollen Rahmen. Unzählige freundliche Helfer stehen bereit, aber auch kein Zutritt zur Eisfläche ohne Kontrolle der Berechtgung.
Üblicherweise werden Masterswettkämpfe als Mehrkampf ausgetragen, aber in Innsbruck finden die Entscheidungen – genau wie bei Olympia – auf den Einzelstrecken statt. Das lockt natürlich auch die Sprint- und Langstreckenspezialisten an den Start.
Heute standen die ersten Rennen auf dem Programm. Früh morgens war der Start zu den 500 Metern. Gestern beim Training hatten wir echtes Sprintereis, weich und griffig. Aber heute Morgen war es eiskalt und das Eis steinhart. Entsprechend mies die Zeiten. Ohne große Erwartungen suchte ich die Ergebnisliste und war dann über einen neunten Rang sehr erfreut. Alle andernen hatten auch mit den schweren Bedindungen zu kämpfen.
Am Vormittag folgen die 3000 m. 20 Minuten vor meinem Start schaute die Sonne über die Berge und sofort flutet ihre Wärme in das Eisstadion. Schlagartig verbesserten sich die Eisverhältnisse. Die Auslosung über 3000 m hatte mir einen starken Niederländer aus meiner Altersklasse beschert. Mein Konkurrent zog mir in den ersten beiden Runde davon, aber dann blieb der Abstand konstant. Mein Gegner begann zu schwächeln und der Stadionsprecher erkannte, dass es hier noch spannend werden könnte. Plötzlich feuerten mich rund um die Bahn die deutschen Teamkameraden an. Den „sterbenden“ Gegner vor Augen, die Anfeuerung im Rücken, der Stadionsprecher, der alles noch anheizte, all das trieb mich an. Auf der letzten Wechselgraden hatte ich den Niederländer vor mir, in der letzten Kurve mit dem Vorteil der Innenbahn und zog ich vorbei. 2900 m hinterher gelaufen, aber die letzten 100 m geführt. 4:58,11 sind keine berühmte Zeit, aber die Ergbnisse auf einer Außenbahnen kann man nicht mit den Zeiten in einer Halle vergleichen. Am Ende kam der achte Platz heraus. Bei weit über gemeldeten 20 Startern hatte ich eigentlich nicht mit einer TOP-ten Platzierung gerechnet.

Der coolste Fan…

Innsbruck Tag 0

Heute ging es nach Innsbruck. Gegen Mittag erreichten wir die Sportstätten der olympischen Spiele von 1976. Gleich am Eingang wurden wir von Helfern freundlich in Empfang genommen und uns wurde der Weg zu unseren ersten Anlaufpunkten gewiesen. Nach Akreditierung und Welcome-Geschenk suchten wir das Eis. Im strahlenden Sonnenschein sahen wir gerade, dass die Eismaschine die Bahn verließ. Perfektes Timing! Also ab auf’s Eis. Tja, es ist eben eine Außenbahn. Die Zielgerade im strahlenden Sonnenschein mit Rückenwind auf weichem Eis (nur Fliegen ist schöner), die Wechselgerade im Schatten steinhart und mit Gegenwind. Aber insgesamt gar nicht so schlecht. Nach einer guten Stunde verlassen wir das Eis und setzen uns in den Sonnenschein auf der Tribüne zum Mittagessen. Gegen 16:00 Uhr noch schnell das Meeting und es ging wieder ab nach Hause.

Inzell Tag 5

Heute Morgen war die letzte Trainingseinheit mit Monique. Im dritten Anlauf klappte dann auch der Start und vierte war nahezu perfekt. Die Beine protestierten mal wieder gegen permanente Überlastung, so dass ich es am Ende etwas ruhiger angehen ließ. Die nächsten Aufgaben kommen ja schließlich schon langsam in Sicht. Anschließend riefen Pflicht und Arbeit, ich machte mich auf den Weg nach München.

Inzell Tag 4

Heute standen zwei Trainingseinheiten bei Monique auf dem Programm. Nach der recht ernüchternden gestrigen Videoanalyse ging es mit vielen guten Vorsätzen ins Training. Viele kurze Sprintübungen gaben die Gelegenheit sich immer wieder auf die eigenen Fehler neu zu konzentrieren.
Zum Mittag ging es so weiter, dazu kamen noch weitere Videoaufnahmen. Tja, kaum wird einem gesagt wie es richtig geht, schon läuft es auch.
Der Abend endete mit einem netten gemeinsamen Dreigänge-Menü, in dessen Rahmen Monique sogar noch einen Kurzfilm präsentierte, in dem sie Impressionen des Trainingswochendes zusammen geschnitten hatte. Sehr nett und gut gemacht! Der gemütliche Abend endete pünktlich, da ja noch eine Trainingseinheit auf dem Programm stand. Spaßig war das Sprachengewirr an den Abenden. Ein wildes Durcheinander von Flämisch, Deutsch, Englisch und teilweise Norwegisch. Aber alle hatte gute Laune und irgendwie versteht man sich.
Unterm Strich lässt als Resümee sagen, dass Moniques Trainingsmaßnahmen absolut professionell aufgebaut sind. OK, es kostet auch ein wenig, aber dafür wird auch viel geboten.

Inzell Tag 3 (dicke Beine auf dem Treppchen)

Der zweite Wettkampftag begann recht früh mit dem Warmup um 8:00 Uhr. Meine Beine sagten mir sofort, dass sie lieber im Bett ausgestreckt geblieben wären. Nach 20 Minuten verließ ich das Eis und versuche mit etwas Joggen und Gymnastik in Gang zu kommen. Heute musste ich zweimal auf der Außenbahn starten und das Lospech hatte mir Gegner serviert, die keine Hilfe sein würden.
Bei den 500 m verstolpere ich den Start, bin aber genauso schnell wie gestern. Die Runde lief einigermaßen gut und mit 0:45,67 hatte ich zwar eine weitere Saisonbestzeit geholt, aber mein Ziel, eine „flache“ 45, wieder verfehlt.
Über 1000 m kam dann das dicke Ende. Nach geglücktem Start und sauberer erster Runde wollten die Beine einfach nicht mehr. Ich spürte, dass ich viel zu aufrecht lief, aber die Beine weigerten sich in die tiefe Position zu gehen. Am Ende standen 1:31,67 auf der Anzeigentafel, wobei ich im Vergleich zum Vortag über eine Sekunde nur auf der letzten Runde verlor.
Aber meine Gegner hatten auch so ihre Probleme und ich konnte Platz drei sicher behalten. Somit endete dieser Wettkampf erstmals für mich auf einem bisher in Inzell unbekannten Platz, dem Podium.
Am späten Nachmittg hatte ich dann einen Termin mit Monique zur Videoanalyse meiner Rennen. Warum filmen die bloß immer einen Typen, der zwar exakt die gleichen Klamotten wie ich trägt, aber so fürchterlich schlecht eisläuft? Jedenfalls waren die Aufnahmen recht ernüchternd, es gibt also noch viel zu tun für die kommenden Tage.

Inzell Tag 2 (wenn der Knoten platzt)

Der erste Wettkampftag. Die Vorbereitung konnte in aller Ruhe erfolgen, denn erst um 10:45 Uhr stand das Warmup auf dem Programm. Also noch schnell die Kufen polieren, etwas Proviant einkaufen und ab zur Eishalle. Nach ein paar Runden lief es einfach rund, ich fühlte mich sauwohl auf dem Eis. Drei kurze Steigerungen und gut ist.
Das Losglück hatte mir für den heutigen Tag zweimal die von mir bei den Sprints bevorzugte Innenbahn beschert. Die 500 m gegen einen Holländer liefen fehlerfrei, aber irgendwie zu langsam, 0:45,81 bedeuteten zwar Saisonbestzeit, dennoch war eine glatte Sekunde langsamer als letztes Jahr. Leicht frustriert suchte ich Rat bei Monique, deren Resumee ziemlich unspektakulär „alles viel zu hoch“ lautet.
Also Versuch Nummer zwei über 1000 m mit Moniques Worten in den Ohren gegen Sören Grimmer. Dieses Mal passen die Startschritte, ich komme gut weg und kann in der ersten Kurve gleich richtig Druck machen. Die 21,6 als Startzeit waren gut. In der ersten Runde Volldampf. Alle Kurven getroffen, ich versuche tief zu bleiben, Monique zeigt eine 33,4. Das beflügelt für die letzte Runde. In der letzten Kurve wollen die Oberschenkel platzen, aber ich komme noch sauber hindurch. Ziel, der suchende Blick zur Anzeigentafel 1:30,10! Die Gefühle schwanken zwischen Frust (wieder die 1:30 knapp verpasst) und Freude (zweitbeste Zeit meines Lebens). Am Ende überwiegt aber die Freude. Nach den ganzen verpatzten Läufen in diesem Jahr endlich mal keine Fehler, kein Kufendefekt, kein schlechtes Eis, keine Gegner, die mir vor die Füße fallen. Noch mehr wuchs die Freude beim Blck auf die Ergebnisliste, denn die beiden Läufe bedeuten Rang drei nach dem ersten Tag.
Anschließend nch ein paar lockere Runden mit Reinhold zusammen auslaufen, dann in aller Ruhe gründlich dehnen, ab ins Quartier und duschen. Zur Belohnung geht es ins Massimo (der Stamm-Italiener in Inzell), wo wir uns in großer Runde verabredet haben.

Inzell Tag 1

Nach guter Anfahrt kam ich pünktlich in Inzell an. Letztes Jahr versank das Dorf in 1,60 m Schnee, jetzt liegen nur noch einige vereinzelte Schneereste in der Gegend herum. Ich befürchte meine Langlaufski werden sich wieder langweilen, letzten Januar zu viel Schnell, jetzt nahezu keiner. Ab zum Abendtraining in die Eishalle. Nach großem Hallo mit vielen Bakannten, begann ich meine Runden zu drehen. Oh, welch ein Eis! Erfurt zu weich und langsam, Berlin zu hart. Nach kurzer Gewöhnung begann es gut zu laufen und wurde von Runde zu Runde besser. Zum Trainingsende wollte ich noch schnell Starts üben. Nach dem zweiten fühlt sich die eine Kufe komisch an. Ein prüfender Blick: Federbruch! Stimmt, das fehlte in dieser Saison noch in meiner Liste von Pleiten, Pech und Pannen. Aber die Ersatzteile und das Werkzeug hat der erfahrnene Pessimist immer dabei. Leider ließ sich die Ersatzfeder nicht einbauen. Zum Glück war der Verkäufer der Kufe auch gerade beim Training. Nach einigen Minuten Gebastel schaffte er es endlich die Feder einzuhängen. Schnell wieder auf das Eis und „Ding, Dong, Eisbereitung!“ OK, das war’s mit dem Training.
Der Abend klang dann mit Moniques Trainingsgruppe aus, wo ich die Einweisung für das Trainingscamp erhalte, in das etwas verspätet einsteigen konnte.

Bjugn, Tag 6

Wenigstens einen Elch haben wir gesehen (war ja auch nicht zu übersehen).

Das gestrige „Bankett“ samt Siegerehrung wird nicht als denkwürdig in die Analen des Masters-Eisschnelllaufs eingehen. Recht früh machten wir uns auf den Heimweg in unsere Hütten, wo wir in lustiger Runde noch etwas weiter feierten. Aber die Aussicht auf den langen Heimweg trieb uns zeitig ins Bett.
Am Morgen standen packen, aufräumen und sauber machen auf dem Programm, dann ging es durch eine inzwischen wieder tief verschneite und frostige Winterlandschaft Richtung Heimat.
Unser gemeinsames Resümee:
+ Gutes Eis, gute Technik, starker Livestream, ordentliche Rennorga, Feitag Morgen mit vielen Schulkindern in der Halle als Zuschauern eine tolle Stimmung, viel Gelassenheit.
– Eröffnung und Abschlussveranstaltung etwas lieblos, an die Kälte in der Halle gewöhnt man sich erst im Laufe der Rennen.
Mein private Meinung: Bestes WM-Ergebnis (erstmals Top-ten), bestes Einzelstrecken-Ergebnis (Top-fünf). So eine Platzierung zu wiederholen wird schwierig. Die Reise war hart, aber interessant und hat sich in jedem Fall gelohnt.
Takk Bjugn!

Bjugn, Tag 5

Nachdem sich der Orkan gelegt hat, kam der Schnee. Heute Morgen auf Weg zur Halle begann es zu schneien, am Mittag lagen lockere 10 cm Schnee auf meinem Auto. Entsprechend kalt war es dann auch in der Halle mit 3°C. Zunächst waren die Frauen mit ihren 3000 m an der Reihe und ich durfte den Coach spielen. Katrin und Anke (aus Hamburg) in der AK50 holten sich die Ränge vier und fünf. Bei Imke war es spannender. Sie hatte 10,5 s Vorsprung gegen eine starke Langstrecklerin. Am Ende schaffte sie es nur drei Sekunden einzubüßen und wurde Weltmeisterin. Reinhold konnte zwar den vor ihm platzierten Läufer schlagen, aber es reichte nicht mehr um die 2,5 s Rückstand aufzuholen.
Dann kam ich an die Reihe. Die Aussichten waren klar, nach vorn und hinten jeweils 20 s Abstand. Bei einem ordentlichen Lauf kann nichts mehr passieren und zu holen war unter den Voraussetzungen auch nichts mehr. Mein norwegischer Gegner war ein alter Bekannter vom letztjährigen Master-Cup in Berlin. Nach einem guten Start kam ich auf der Wechselgeraden genau zwei Meter hinter meinem Gegner aus der Kurve und durfte mich erst einmal in seinem Windschatten ausruhen. Leider klappte das Mannöver zwei Runden später nicht noch einmal, da ich inzwischen auch auf der Wechselgeraden Vorsprung hatte. Ungewollt zwang ich meinen Gegner mir Vorfahrt gewähren zu müssen, dafür bekam er meinen Windschatten. Anschließend wurde es ein einsames Rennen. Aber zum Glück hat man ja Freunde dabei, die sich um die Strecke postiert hatten und mir richtig einheizten. Meine Rundenzeit hatte sich bei 40,x eingependelt, zwar etwas langsamer als geplant, dafür konstant. Die Anfeuerung wurde immer enthusiastischer, „das schaffst Du!“ usw. Was soll ich schaffen? Vor meinem Gegner bleiben, locker und sonst gab es doch kam noch was zu schaffen oder??? Aber egal, weiterlaufen was die Beine hergeben! Erst im Ziel wurde mir klar was ich schaffen sollte, ich hatte meinem Gegner satte 33 s und damit den siebten Rang abgenommen und einen weiteren Konkurrenten erst mit der Schlussrunde geschlagen. Insgesamt kam am Ende sogar der fünfte Platz in diesem 5000 m-Lauf heraus.
Den Abschluss machte Frank, der allein seine 5000 m absolvieren musste. Er lief mit einer Gleichmäßigkeit, als hätte es gestern Abend Uhren zu essen gegeben. Sein starker Lauf bedeutete die neuntbeste Zeit der AK50, änderte aber nichts mehr an seinem 13. Platz.

Wer ist „wir“

Wen meine ich eigentlch die ganze Zeit, wenn ich von „wir“ spreche? Unsere Gruppe stellt die halbe deutsche Vertretung hier in Bjugn.
– Da ist Imke Hüser, Eisschnellläuferin, die früher für den OSC Leer auch mach ein Skate-Rennen bestritt und nun ihre Führung bei den Damen der AK30 über die 3000 m retten will.
– Katrin Leschner aus Chemnitz, die neben dem Skaten auch auf dem Eis unterwegs ist, letztes Jahr Vizeweltmeisterin der AK50 wurde und sich gerade über ihren aktuell vierten Platz ärgert.
– Reinhold Marsollek aus Bochum, ebenfalls ein alter Skater, der nun das Eis bevorzugt. Er war uns zu unseren Anfangszeiten sehr behilflich den Weg auf das Eis finden und hat unser tolles Quartier organisiert. Er hofft sich Morgen noch Bronze der AK65 schnappen zu können.
– Frank Probst aus Berlin zusammen mit seiner Frau Susanne. Frank und ich sind gut befreundet und haben schon viele Wettkämpfe gegen-, aber vor allem miteinander bestritten. Er rangiert auf Rang 13 der AK50.

Bjugn, Tag 4

Der Tag begann unruhig. Gegen 2:00 Uhr morgens hatte der Sturm ein Fenster aufgestoßen und die Türen im Haus rappelten laut. Am Morgen auf dem Weg zur Halle bekam der Begriff Schneesturm ein reales Bild. Böen mit Orkanstärke peitschten den Schnee durch die Landschaft, die in Minuten wieder komplett weiß wurde. Aber für die Einheimischen scheint es ein ganz normales Wetter zu sein. Mit skandinavischer Gelassenheit wurde auch der Stromausfall kurz vor dem Rennen während der Eispflege hingenommen. Die Eismeister finden ihren Weg mit der Eismaschine auch im Dunkeln.
Für mich standen die 3000 m auf dem Programm, ausgerechnet gegen Frank aus Berlin, der mit uns gemeinsam die Tour hier in Bjugn macht. Wir kennen uns aus diversen Rennen. Dementsprechend nahmen die 3000 m ihren üblichen Verlauf: Ich gewinne den Start, er sammelt mich während der ersten Runden wieder ein und haut mir dann ab. 4:52 für Frank, 4:57 für mich, auch die fünf Sekunden Abstand lagen im üblichen Rahmen. Das waren keine überragenden 3000 m, aber auch keine über die ich unglücklich sein muss. Platz acht in der AK55, nun auch in der Gesamtwertung.
Am Nachmittag folgten die 1500 m. Irgendwie wollte ich auf die Kälte (4-5°C) in der Halle reagieren und machte mich dieses Mal ziemlich dick eingepackt warm, so dass ins schwitzen kam. Dazu ging ich relativ spät zum Rennen auf das Eis. Vielleicht lag es daran, aber die 1500 m liefen einfach super. Alle Zwischenzeiten nach Plan und nur minimal über Saisonbestzeit eine 2:19,65. Das war wieder der achte Rang, der sich nun auch in der Gesamtwertung verfestigt.
Zum Abend nahm der Sturm weiter zu und zerrt nun mit aller Kraft an unserer Holzhütte, dass man es sogar spüren kann.

Bjugn, Tag 3

Heute standen nur die 500 m auf dem Programm. Die Luft in der Halle eiskalt bei 4°C, draußen war es deutlich wärmer. Daher waren die Zeiten entsprechend „unterkühlt“: 0:46,43, etwas enttäuschend. Aber Platz 7 ist meine beste WM-Platzierung bei einem Einzellauf. Noch ist nichts entschieden, zwischen Platz 4 und 11 ist alles noch eng zusammen. Morgen ab 10:30 Uhr folgen die 3000 m.
Dafür dass die Stimmung nicht unterkühlt war, sorgten mehrere Schulklassen, die einen Ausflug in die Halle gemacht hatten, und für ordentlich Stimmung am Vormittag sorgten.

Bjugn, Tag 2

Der zweite Tag begann mit einem gemütlichen Frühstück (als Selbstversorger entfällt ein Beitrag über die Eigenheiten norwegischer Frühstücke). Danach zogen wir los zur Halle. Als erstes erledigten wir die Anmeldeformalitäten. Mit uns trieben sich dann etwa 30 andere Masters auf dem Eis herum. Viel trainieren kann man sowieso nicht mehr am Tag vor dem Wettkampf. Es geht nur darum Gefühl für die Halle mit ihrem Eis zu bekommen. Wie schon gestern fühlte ich mich recht wohl. Nach dem Warmlaufen ein paar Antritte, ein paar schnelle Kurven, ein paar Übergänge und gut ist.
Anschließend Tanken. Das trieb mir die Tränen in die Augen, einmal Volltanken für über 100 €.
Als wir zurück in unsere Hütte kamen kreiste gerade ein Seeadler über dem Gelände. Das ist hier Natur pur! Hirsche grasen direkt neben der Straße. Es fehlt eigentlich nur noch ein Elch.
Die selbst bereitete Pasta-Party war recht lecker. Den seltenen Sonnenschein am Nachmittag nutzten wir zur Besichtigung alter deutscher Festungsanlagen aus dem zweiten Weltkrieg. Mittelpunkt der Anlage war ein Geschützturm des Schlachschiffs Gneisenau, das den Eingang zum Trondheimfjord bewachen sollte. Leider war das Museum geschlossen und wir mussten uns mit dem Außengelände begnügen.

Gegen Abend riefen wieder die Pfichten. Teamleader-Meeting, Auslöung und anschließend der Welcome-Drink in Form einer Apfelschorle.
Die Auslösung war für mich genauso ernüchternd wie die Apfelschorle. Auf der einen Seite freut es mich ja, dass ich inzwischen in die stärkeren Gruppen gesetzt werde, aber mit Frode Eidsmo habe ich über 500 m einen Gegner, der wirklich in einer ganz anderen Liga spielt. Die Krönung dann über 3000 m: Frank Probst aus Berlin. Wir beide sind allein schon in diesem Jahre diverse Rennen gegeneinander gelaufen. Da fährt man 1600 Km um gegen genau den Gegner zu laufen mit dem man bereits die meisten Rennen in diesen Jahr bestritten hat, der in der Nachbarhütte wohnt, bei dem ich in Berlin immer übernachte… und der immer die 3000 m gegen mich gewinnt.
Für alle, die Interesse daran haben, wie ich bei meinem ersten Lauf hinterher fahre, hier der Link zum Livestream. 500 m: Startzeit ca. 12:58 Uhr im 15. Paar auf der Außenbahn. Die 3000 m folgen erst Samstag.

Bjugn, Tag 1.1

Endlich ging es richtig los. Also ab auf’s Eis. Nur etwa 12 Leute wollten heute Nachmittag trainieren. Das Eis macht einen brauchbaren Eindruck. Die Bahn scheint die Berliner Geometrie zu haben, das Eis wirkt sehr hart, aber schnell. Einziges Manko, es ist schweinekalt in der Halle. Zum ersten Mal laufe ich in einer Halle freiwillig mit Handschuhen. Angeblich sollen es 6°C sein, gefühlt eher 0° bis 2°C. Nach 90 Minuten hat sich die Temperatur der Füße der des Untergrundes stark angenähert, so dass auch ich das Training beende.
Der Abend klingt mit einem Chili-con-carne, das auch von innen wärmt, in gemütlicher Runde aus.

Bjugn Tag1.0

… in Norwegen begannen uns Schneeregen und ein paar Vollsperrungen der Autobahn ein wenig zu ärgern. Aber hinter Oslo legte sich beides. Durch eine tief verschneite Winterlandschaft ging es weiter in Richtung Norden. Die letzten paar hundert Kilomter führten uns über menschenleere Landstraßen und zogen sich übel in die Länge, bis wir endlich Bjugn erreichten. Nach kurzer Eishallenbesichtigung fanden wir unsere Ferienhütten und genossen die Pause bis zum anstehenden Training.

Bjugn Tag 0

Zum Auftakt der Bjugn-Tour stand erst einmal ein echtes Stück Arbeit auf dem Programm. Am Montag Mittag war mein Sharan pünktlich um 14:00 Uhr voll gepackt und besetzt zur Abfahrt bereit. Problemlos kamen wir überpünktlich in Puttgarden an und wurden noch eine Fähre früher mitgenommen. Auf der Fähre genossen wir den Sonnenuntegang über der spiegelglatten Ostsee. Dann kam die Arbeit, die 15-stündige Fahrt durch das nächtliche Skandinavien. Zwei Stunden fahren, wechseln, etwas schlafen, weiterfahren usw. Aber das kalte und trockene Winterwetter ließ uns bei strahlendem Mondschein gut vorankommen. Gegen Mitternacht erreichten wir Norwegen…
Zwei Punkte bleiben mir unerklärlich: Warum muss ein sauber gepacktes Auto während der Fahrt komplett umgeräumt werden? Warum vergessen sämtliche Zöllner ihre Pflichten, sobald Reinhold sie in ihrer Landessprache zutextet?

Leeuwarden Tag 3, nach der WM ist vor der WM

Recht müde und gut gesättigt kehrte ich vom gestrigen Bankett zeitig zu meinem Quartier zurück. Heute Morgen nach dem üblich oppulenten Frühstück ging es noch einmal auf das Eis. Warum sollte ich die Gelegenheit nicht nutzen um noch einmal etwas zu trainieren? Erstaunlich viele Sportler tummelten sich zusammen mit mir auf dem Eis. Aber irgendwann ergaben sich auch die nötigen Lücken zwischen den Zügen um ernsthaft zu trainieren. Langsam musste ich mich wieder an längere Strecken gewöhnen. Allerdings könnte ich es mir einfach nicht verkneifen am Ende der drei Stunden auf dem „Sahne-Eis“ noch ein paar Sprints hinzulegen. Dann im Quartier schnell duschen, Sachen ins Auto schmeißen und ab durch den Sturm nach Hause. Wer in der Gegend mal Urlaub machen will, ich habe die Adresse eines sehr gastfreundlichen Familienbetriebs.

Leeuwarden, Tag 2

Der zweite Wettkampftag konnte leistungsmäßig nicht an den ersten anschließen. Nach 0:45,34 über 500 m folgte im abschließenden 1000 m-Rennen eine 1:30,98. Im letzten Lauf ging der 15. Rang damit leider verloren. Für die nach dem ersten Tag erhoffte Bestleistung im Sprint-Vierkampf reichte es auch nicht. Inzells Eis ist in der Summe doch einfach irgendwie schneller.
Trotzdem war es ein einmaliger Wettkampf mit einer Wahnsinnsstimmung in der Halle. In jeder Eispause oder Warmlaufphase rückte eine friesische Blaskapelle ins Innenfeld und sorgte für Stimmung. Dazu eine technische Organisation, die an Perfektion kaum zu überbieten war. Dazu ein wirklich schnelles Eis und der größte Luxus, die Halle hat Fußbodenheizung! Am Ende folgten noch Vorführungen klassischen friesischen Schlittschuhlaufens natürlich in passenden Kostümen. Der Wettkampftag endete mit den Siegerehrungen, an Abend wartet noch das Bankett.

Leeuwarden Tag 1, (0:44,81 und die Arme sind heile)

Gemütlich konnte ich es angehen lassen. Das Warmup war für 13:00 Uhr festgelegt. Also erst einmal ein Spaziergang durch das Dorf um das umfangreiche Frühstück zu verdauen. Anschließend in aller Ruhe Kufen schleifen, Tee kochen und umziehen. Ab ins Auto und los zur Bahn.
Dort war ersteinmal 30 Minuten Zeitverzug angesagt. Einige Damen hatten sich so gründlich lang gemacht, dass das Eis bis auf den Beton durch war. Eine zusätzlich Eispflege wurde angesetzt. So erlebte ich noch eins der Highlights des Tages, die 1000 m der AK90. Der japanische Starter wechselte allerdings auf der Zielgeraden, aber ich hoffe die Schiedsrichter haben kollektiv weggeschaut.
Trotz aller Zeitknappheit wurde uns eine kurzes Warmup direkt vor den Rennen gewährt. Kurz auf’s Eis, etwas warmlaufen, zwei Antritte und gut ist. Schließlich muss ich gleich nach der Eispflege richtig ran.
Ich starte auf der Innenbahn, der stark erwartete Kasache schwächelt und ward nicht mehr gesehen. Der Start ist geglückt, die erste Kurve getroffen und ich kann das Tempo mit auf die Wechselgerade nehmen, die dann super läuft. Der zweite Kurveneingang passt und halte ich die Linie der hohen Geschwindigkeit zum Trotz ganz eng an den Begrenzungsklötzchen. Auf der Zielgeraden noch einmal treten. Das Ziel, ein suchender Blick zur Anzeige, 0:44,82 Jubel! Freude! PB! Am Ende wird meine Zeit noch auf 0:44,81 korrigiert.
Gut eine Stunde später die 1000 m, wieder gegen den Kasachen. Dieses Mal hält er besser dagegen. Erst auf der letzten Wechselgeraden schaffe ich es nach Gleichstand bei 600 m in seinen Windschatten zu kommen. Der Windschatten und den Gegner vor Augen ziehen mich heran. In letzten Innenkurve ziehe ich vorbei. Die Zeit, etwas enttäuschend 1:30,34. Aber eine PB am Tag reicht ja auch. In der Summe sind das 89,980 Punkte und Platz 15 unter 21 Startern. Und vor allem: Ich kann auch unfallfrei in Leeuwarden Rennen laufen. Link zum Livestream.

Leeuwarden, Frühstück

Letztes Jahr hatte ich mich ja im Rahmen der Baselga Tour über ausländische Frühstücke geäußert. Fairerweise muss ich das nun auch für Friesland tun. Schon in dem Quartier vor drei Jahren war der Begriff Oppulent eine glatte Untertreibung. Das setzt sich hier übergangslos fort. Ich bin der einzige Gast im Haus und alles wurde nur für mich aufgetischt: 7 Brötchen, 2 Scheiben friesisches Zuckerbrot, zwei Eier, Quark, eine Schale Obstsalat, Schinken, Käse, Marmelade. Brauchen Niederländer eigentlich noch weitere Mahlzeiten am Tag? Gut, dass ich erst am Nachmittag starten muss!

Leeuwarden Tag 0

Ich erreiche die Halle, suche den Weg zum Orga.-Büro und werde, bevor ich den Mund aufmachen kann, bereits mit vollem Namen begrüßt. Wieso kennen die mich hier alle? Muss ich mir Gedanken machen? Die Formalien sind schnell erledigt. Dann wieder los das Quartier suchen. Im kleinen Dörfchen Warten werde ich freundlich begrüßt und als ich meine Begeisterung über die traumhafte Lage am Wasser mit der Tatsache, dass ich Ruderer bin, begründe, werde ich sofort dem Hausherren vorgestellt, der ebenfalls rudert. Zur Begrüßung gibt es erstmal eine Kanne Tee. Klamotten reinkramen, umziehen, dann geht es wieder zur Halle. Wenn 180 der gemeldeten 220 Masters gleichzeitig versuchen sich auf einen Sprintwettkampf vorzubereiten, ist das Chaos vorprogrammiert. Aber egal, irgendwo fand sich dann doch mal eine freie Runde. Das Eis fühlt sich super schnell an. Noch schnell zwei Starts beim Starter geübt und Feierabend. Anschließend die Eröffnung mit Welcome-Drink (Igitt alkoholfrei!). Beeindruckend war die Vorführung eines Rennens auf uralten holländischen Schlittschuhen, die noch nur mit ein paar Gurten direkt unter die dicken Wollsocken(!) gebunden wurden. Respekt vor den Geschwindigkeiten, die die alten Herren auf diesen „Steinzeitgeräten“ ereichten.
Der Abschluss des Abends war die Auslosung. Zweimal darf ich gegen den starken Kasachen Kistenjov antreten. Ab 14:00 Uhr im 12. Paar (6. Quartett) und ab 15:20 Uhr im 11. Paar (6. Quartett). Also etwa um 14:08 Uhr und 15:30 Uhr (für alle die den Videostream schauen wollen, sofern er denn noch irgendwo auftaucht, Link s.u.).

Leeuwarden Tag -1

Der Urlaub ist genehmigt, das Auto ist vollgetankt und hat frischen TÜV, das Quartier ist gebucht. Die Startlisten sind bekannt, insgesamt wollen 20 Leute aus vier Nationen um den Titel der AK55 kämpfen. Chancen auf einen vorderen Platz habe ich keine bei diesen „niederländischen Meisterschaften mit Gästen“.
Die Ankündigungen der Organisatoren hören sich vielversprechend an. So ähnlich war es auch vor drei Jahren. Bis zum ersten Rennen war es damals eine tolle Veranstaltung. Allerdings endete der Wettkampf für mich mit einem gebrochenen Arm im Krankenhaus. Aber das ist abgehakt! Dieses Mal möchte ich alle vier Distanzen zu Ende laufen.
Einen schönen Sprintvierkampf in einer tollen Atmosphäre, das wünsche ich mir. Die Bestzeiten aus Inzell werden sich wohl kaum erreichen lassen. Also eine WM mal ganz ohne Druck. Wer mag, darf auf mich live aufpassen, es soll einen Livestream im Internet geben, weitere Informationen dazu folgen später unter diesem Link.

Fotos aus dem Jahr 2013

Kidscup Finale Sprötze
Kidsrace Rethem
Fläming 2013

Wathlingen
Siegerehrungen
Teamrennen
dies und das
Fitness HM
Lizenz HM
Kids 4 km
Kids Sprint
Kids Slalom
Fun-Lauf

DM Team Straße Hattingen So
DM Team Duisburg Sa
Sportsfinderday Hermann-Billung-Gymnasium
Kidsrace Gifhorn
Sportlerehrung Stadt Celle
Ecoroll Cup
neue T-Shirts von Ecoroll und Alfred!
Hallentraining Erwachsene
LM Halle Kids Reislingen (Wolfsburg)